DER ALLTAG IST NICHT SELBSTVERSTÄNDLICH.

Werkdefinition

Künstlerischer Essay. Er untersucht, wie Maßstäbe, Regeln und Erzählungen dem Alltag Richtung geben, bevor eine Handlung beginnt.

Werktext

Über die unsichtbaren Maßstäbe, Regeln und Erzählungen, die unserem Handeln Richtung geben.

Steffen Rolla · 2026

Wir leben nicht im selben Alltag.

Zwei Menschen betreten denselben Supermarkt. Sie sehen dieselben Regale, dieselben Produkte, dieselben Preise. Einer findet alles erschreckend teuer. Die andere empfindet die Preise als erstaunlich stabil.

Zwei Menschen erhalten eine Wohnungsabsage. Einer ärgert sich über die Ablehnung. Die andere bemerkt, wie höflich sie formuliert ist.

Ein Mensch wird auf der Straße von einer fremden Person angesprochen. Was für den einen eine unerwünschte Störung bedeutet, ist für den anderen Ausdruck einer offenen Gesellschaft.

Niemand muss sich dabei irren.

Wir können dieselbe Situation erleben und dennoch etwas Unterschiedliches erfahren. Was wir wahrnehmen, hängt nicht allein davon ab, was vor uns liegt. Es hängt auch davon ab, was wir bereits erlebt haben, welche Erwartungen wir mitbringen und womit wir das Gegenwärtige vergleichen.

Ein Preis ist zunächst eine Zahl. Ob er teuer erscheint, entsteht erst in einem Verhältnis. Eine Regel ist zunächst eine Vereinbarung oder Anweisung. Ob wir sie als Schutz oder Einschränkung erleben, hängt auch von unserer Position innerhalb dieser Regel ab.

Der Alltag besteht nicht nur aus Ereignissen. Er besteht auch aus den Bedeutungen, die wir ihnen geben.

Und diese Bedeutungen beginnen häufig lange bevor das eigentliche Ereignis stattfindet.

Wir haben bereits eine Geschichte, bevor die Situation beginnt.

Woher wissen wir, was normal ist?

Normalität ist eine bemerkenswerte Erscheinung. Solange sie funktioniert, fällt sie kaum auf.

Wir stehen an einer roten Ampel, warten, bis wir an der Reihe sind, sprechen in bestimmten Situationen leiser als in anderen. Wir wissen, wie man sich in einer Bäckerei verhält und wann ein Gespräch als beendet gilt.

Vieles davon haben wir nie ausdrücklich entschieden. Wir haben es gelernt: durch Beobachtung, Wiederholung, Anerkennung und Ablehnung. Irgendwann werden solche Erfahrungen zu Erwartungen. Und Erwartungen können sich so selbstverständlich anfühlen, dass wir sie nicht mehr als Erwartungen erkennen.

Wir sagen nicht: Ich habe gelernt, dass man sich hier so verhält.

Wir sagen: So macht man das.

Damit wird eine erlernte Möglichkeit zur scheinbaren Notwendigkeit.

Doch wer ist dieses man? Wer hat entschieden, was man tut? Für wen gilt es? Und was geschieht, wenn jemand etwas anderes tut?

Häufig wird uns die eigene Normalität erst bewusst, wenn sie auf eine andere trifft.

Eine Person, die aus einem anderen gesellschaftlichen Zusammenhang kommt, kann an Dingen etwas Bemerkenswertes finden, die wir kaum beachten: an einem Feierabend, einer freundlichen Absage, einem Behördengespräch oder der Möglichkeit, mit dreißig Jahren eine Ausbildung zu beginnen.

Der fremde Blick ist nicht automatisch richtiger. Auch er entsteht aus Erfahrungen und Erwartungen. Es wäre zu einfach, daraus feste nationale Eigenschaften abzuleiten. Innerhalb jeder Gesellschaft unterscheiden sich die Lebensbedingungen und Vorstellungen erheblich.

Interessant ist die Begegnung der Perspektiven, weil sie sichtbar macht, dass auch unsere eigene Sichtweise nur eine von mehreren möglichen ist.

Was wir für selbstverständlich halten, ist nicht deshalb selbstverständlich, weil wir es gewohnt sind.

Ein anderer Maßstab. Dieselbe Welt.

Wir beurteilen unsere Lebensumstände ständig. Es geht uns gut. Es geht uns schlecht. Alles wird teurer. Wir arbeiten zu viel. Früher war vieles besser.

Solche Aussagen erscheinen häufig wie Beschreibungen einer objektiven Wirklichkeit. Doch sie enthalten Maßstäbe.

Wenn wir sagen, dass etwas schlechter geworden ist, vergleichen wir es mit einem früheren Zustand, einer Erwartung oder einer Vorstellung davon, wie es sein sollte. Wenn wir sagen, dass wir zu wenig verdienen, stellt sich die Frage: Zu wenig wofür? Im Verhältnis zu wem? Für welche Vorstellung vom Leben?

Ein veränderter Vergleichsmaßstab kann die Bewertung einer unveränderten Situation verschieben.

Das bedeutet nicht, dass wirtschaftliche Probleme, soziale Ungleichheit oder persönliche Belastungen bloß eingebildet wären. Ein anderer Maßstab macht eine unbezahlbare Wohnung nicht bezahlbar.

Aber er kann verändern, welche Bedeutung wir einer Situation geben und welche Handlungsmöglichkeiten wir erkennen.

Eine Gesellschaft, die sich ständig mit ihrer erfolgreichsten Vergangenheit vergleicht, erlebt Veränderungen möglicherweise vor allem als Verlust. Eine Gesellschaft, die sich mit wesentlich schlechteren Lebensbedingungen anderswo vergleicht, könnte dieselben Verhältnisse als Errungenschaft betrachten.

Beide Perspektiven können etwas sichtbar machen. Und beide können etwas verdecken.

Ähnlich verhält es sich mit unseren alltäglichen Deutungen.

Ein Mensch widerspricht uns. Ist er unfreundlich? Oder nimmt er unsere Aussage ernst genug, um sie zu prüfen?

Eine Person benennt einen Fehler. Ist das verletzend? Oder ermöglicht es eine Erkenntnis?

Jemand stimmt uns zu. Ist das Unterstützung? Oder der Versuch, einem unangenehmen Gespräch auszuweichen?

Wir beobachten ein Verhalten und geben ihm eine Bedeutung. Diese Bedeutung beeinflusst, was wir anschließend tun.

Wie schnell wird eine Deutung zur Gewissheit?

Wir sagen: Der Mensch ist arrogant. Vielleicht haben wir lediglich ein Verhalten beobachtet, das wir als arrogant interpretiert haben.

Wir sagen: Diese Stadt ist hässlich. Vielleicht haben wir Bilder und Urteile übernommen, bevor wir sie selbst kennengelernt haben.

Manchmal genügt eine zusätzliche Information, damit wir eine bereits abgeschlossene Erfahrung anders lesen. Die neue Deutung kann sogar unsere Erinnerung an die alte überlagern.

Wir verändern dann nicht nur unsere Meinung über das Geschehen, sondern möglicherweise auch unsere Vorstellung davon, was geschehen ist.

WAS VERÄNDERT SICH,
WENN NICHT DIE WELT, SONDERN UNSER MASSSTAB WECHSELT?

Was ist ein gutes Leben wert?

Wir treffen Entscheidungen auf der Grundlage dessen, was uns wichtig erscheint: Geld verdienen, Sicherheit gewinnen, Anerkennung finden, Zeit haben, unabhängig sein, etwas schaffen, das bleibt.

Doch woher stammen diese Vorstellungen?

Warum gilt eine bestimmte Karriere als Erfolg? Warum erscheint ein hohes Einkommen erstrebenswerter als freie Zeit? Warum wird jemand bewundert, der ständig arbeitet, während eine andere Person erklären muss, weshalb sie weniger arbeiten möchte?

Unsere Ziele entstehen nicht unabhängig von gesellschaftlichen Erwartungen. Wir lernen, welche Lebensentwürfe als vernünftig gelten, welche Entscheidungen Anerkennung versprechen und was als Scheitern bezeichnet wird.

Wir können diese Vorstellungen übernehmen, infrage stellen oder verändern. Manchmal führt erst eine ungewohnte Erfahrung dazu, dass uns der Maßstab unseres bisherigen Lebens auffällt.

Ein höheres Einkommen kann mehr Möglichkeiten eröffnen. Ist es aber mit dauerhafter Erreichbarkeit verbunden, kann dem Gewinn an Geld ein Verlust an verfügbarer Zeit gegenüberstehen.

Ein niedrigeres Einkommen kann Einschränkungen bedeuten. Unter bestimmten Bedingungen kann es zugleich eine bewusst bevorzugte Lebensform ermöglichen. Was ist dann Reichtum?

Wie viel freie Zeit ist ein bestimmter Geldbetrag wert? Welche Möglichkeiten haben Menschen überhaupt, solche Entscheidungen zu treffen?

Denn die Freiheit, weniger zu arbeiten, ist selbst ungleich verteilt. Für manche ist sie eine Wahl, für andere ein unerreichbarer Luxus.

Auch der Komfort, den wir genießen, beruht häufig auf Arbeit, die andere für uns übernehmen. Eine Wohnung ist gereinigt. Ein Hemd gebügelt. Eine Mahlzeit geliefert.

Wir haben Zeit gewonnen. Aber diese Zeit ist nicht aus dem Nichts entstanden. Andere haben sie eingesetzt.

Aus einer persönlichen Frage nach Lebensqualität wird eine Frage nach Beziehungen und gesellschaftlichen Bedingungen.

WESSEN ZEIT MACHT MEIN LEBEN LEICHTER?

Und noch grundlegender:

WIE VIEL VON DEM, WAS WIR ERREICHEN WOLLEN, WOLLEN WIR EIGENTLICH SELBST?

Die Regeln sind längst in uns.

Regeln begegnen uns nicht nur als Gesetze, Verbote und schriftliche Anweisungen. Sie wirken auch dort, wo niemand ausdrücklich etwas verlangt.

Wir stellen uns in einer bestimmten Reihenfolge an, respektieren Abstände und warten auf Erlaubnis. Mit der Zeit werden viele dieser Regeln zu körperlichen Gewohnheiten.

Wir überlegen nicht jedes Mal, wie wir uns in einem Aufzug verhalten sollen. Wir tun es. Unser Körper folgt Erwartungen, die wir über Jahre verinnerlicht haben.

Besonders deutlich wird das im Spiel.

Kinder erfinden Regeln, übernehmen sie, verändern sie und bestehen manchmal mit großer Entschlossenheit auf ihrer Einhaltung.

Regeln sind dabei nicht bloß Einschränkungen. Sie ermöglichen bestimmte Formen gemeinsamen Handelns. Doch sie können so selbstverständlich werden, dass niemand mehr fragt, ob sie verändert werden dürfen.

SPIEL NACH DEN REGELN.

SPIEL MIT DEN REGELN.

Nur ein Wort verändert sich. Aber dieses Wort verschiebt das Verhältnis zwischen Mensch und Regel.

Im ersten Fall ist die Regel eine Vorgabe. Im zweiten wird sie selbst zum Gegenstand des Handelns.

Die Frage ist nicht, ob wir Regeln befolgen oder brechen sollten. Die Frage ist, unter welchen Bedingungen sie entstehen, wem sie dienen, wen sie schützen, wen sie einschränken und wer sie verändern darf.

Eine Regel, die einem Menschen Sicherheit gibt, kann einen anderen ausschließen. Gleichbehandlung bedeutet nicht in jeder Situation gleiche Möglichkeiten.

Wer eine Sprache noch nicht ausreichend beherrscht, benötigt vielleicht mehr Zeit. Wer körperlich eingeschränkt ist, einen anderen Zugang. Wer neu in einem System ist, muss dessen Regeln erst kennenlernen.

Eine Möglichkeit muss nicht nur formal bestehen. Sie muss auch tatsächlich zugänglich sein.

Zwischen Vorstellung, Entscheidung und Handlung liegen Bedingungen: Geld, Zeit, Wissen, soziale Beziehungen, Institutionen und die Entscheidungen anderer Menschen.

Nicht jede Grenze lässt sich durch Entschlossenheit überwinden. Aber nicht alle Bedingungen sind unveränderlich.

Manchmal verschiebt eine Frage etwas. Jemand bittet darum, langsamer zu sprechen, widerspricht einer Vorgabe oder schlägt einen anderen Ablauf vor.

Vielleicht verändert sich die Situation. Vielleicht nicht.

Wir entscheiden unter Bedingungen. Und manche unserer Entscheidungen verändern diese Bedingungen.

WAS ICH FÜR MÖGLICH HALTE, IST NICHT IMMER DASSELBE WIE DAS, WAS MIR MÖGLICH IST.

Der Alltag denkt mit.

Wir sind daran gewöhnt, Denken als eine Tätigkeit zu betrachten, die vor allem im Kopf stattfindet.

Wir nehmen Informationen auf, wägen Möglichkeiten ab, bilden Urteile und treffen Entscheidungen. Danach handeln wir.

Doch im Alltag ist diese Reihenfolge häufig weniger eindeutig.

Wir greifen nach einem Gegenstand, bevor wir bewusst über die Bewegung nachgedacht haben. Wir weichen jemandem aus, während wir noch seine Bewegungsrichtung erkennen. Wir beginnen eine Aufgabe und verändern unsere Absicht, weil das Material anders reagiert als erwartet.

Handeln ist nicht bloß die Ausführung eines zuvor abgeschlossenen Gedankens. Es kann selbst neue Wahrnehmungen und Gedanken hervorbringen.

Unser Körper ist dabei nicht nur Werkzeug. Er ist beteiligt an der Art, wie wir unsere Umgebung erfahren.

Ein Raum verändert unsere Bewegungen. Ein Gegenstand bietet Widerstand. Ein anderer Mensch reagiert unerwartet. Wir passen uns an, korrigieren, lernen.

Mitunter entsteht erst während der Handlung eine Möglichkeit, die wir zuvor nicht erkennen konnten.

Für Creative Mind Gymnastics ist diese Verbindung zwischen Wahrnehmung, Denken, Körper und Handeln grundlegend. Es geht nicht darum, Bewegung lediglich als Ergänzung geistiger Tätigkeiten einzusetzen, sondern zu untersuchen, wie sich Wahrnehmung und Denken durch körperliche Erfahrungen verändern können.

Wenn eine Bewegungsregel ausgetauscht wird, muss auch unser Körper eine andere Antwort finden. Wenn ein Gegenstand Widerstand leistet, verändert sich möglicherweise unsere Vorstellung davon, was wir mit ihm tun können.

Und wenn andere Menschen beteiligt sind, entsteht eine Situation, deren Verlauf niemand vollständig kontrolliert.

WIR DENKEN NICHT NUR, BEVOR WIR HANDELN.

WIR DENKEN AUCH, INDEM WIR HANDELN.

Die Unterbrechung.

Wenn unsere Entscheidungen von Gewohnheiten, Maßstäben, Deutungen, Werten, Regeln und Bedingungen beeinflusst werden, stellt sich eine künstlerische Frage:

Wie lassen sich diese Einflüsse erfahrbar machen?

Eine Möglichkeit besteht darin, den gewöhnlichen Ablauf zu unterbrechen.

Nicht durch eine große Inszenierung. Manchmal genügt ein kleiner Eingriff.

Ein Gegenstand liegt auf einem Tisch. Zwei Menschen sollen ihn beurteilen. Beide erhalten unterschiedliche Informationen. Was geschieht?

Ein Satz wird gezeigt. Ein Wort wird ausgetauscht. Verändert sich seine Bedeutung? Verändert sich die Bereitschaft, danach zu handeln?

Eine Gruppe bewegt sich nach vertrauten Regeln. Plötzlich gilt eine andere. Wer passt sich an? Wer zögert? Wer widerspricht?

Eine Person trifft eine Entscheidung. Anschließend erhält sie eine neue Information.

Würde sie wieder so entscheiden?

Solche Situationen müssen nicht spektakulär sein. Ihre Stärke liegt darin, dass sie an gewöhnliche Wahrnehmungs- und Handlungsvorgänge anknüpfen.

Was zuvor automatisch geschah, kann beobachtbar werden. Eine Gewohnheit erscheint als Gewohnheit, ein Urteil als Urteil, eine Regel als veränderbare Regel.

Die künstlerische Intervention soll dabei keine richtige Antwort herstellen. Sie soll nicht beweisen, dass Menschen manipulierbar sind oder ihre Entscheidungen nur scheinbar selbst treffen.

Sie kann eine Situation schaffen, in der erfahrbar wird, wodurch Entscheidungen beeinflusst werden und wie Menschen auf Veränderungen reagieren.

Vielleicht verändert jemand sein Urteil. Vielleicht hält eine Person trotz neuer Informationen daran fest. Vielleicht erkennt sie den Einfluss eines Maßstabs und entscheidet sich bewusst dafür, ihn beizubehalten.

Vielleicht wird die Unterbrechung selbst abgelehnt.

Auch das gehört zur Untersuchung.

Eine künstlerische Intervention ist kein Test, dessen Ergebnis bereits feststeht. Sie ist eine Einladung, einen vertrauten Vorgang anders zu erfahren.

Wir gestalten unseren Alltag. Aber wir beginnen nicht bei null.

Wir übernehmen Sprache, Gewohnheiten, Erwartungen und Vorstellungen, die bereits vorhanden sind, bevor wir eigene Entscheidungen treffen können. Mit der Zeit werden sie Teil unseres Selbstbildes.

Wir sagen: So bin ich. Das ist mir wichtig. Das möchte ich erreichen. Das würde ich niemals tun.

Doch selbst wenn wir erkennen, woher eine Vorstellung kommt, verschwindet ihr Einfluss nicht automatisch. Erkenntnis ist nicht gleich Veränderung. Und Veränderung ist nicht immer notwendig oder wünschenswert.

Manche Gewohnheiten sind hilfreich. Manche Regeln ermöglichen Vertrauen. Manche Werte geben unserem Leben eine Richtung, an der wir bewusst festhalten möchten.

Die Untersuchung beginnt deshalb nicht mit der Forderung, alles infrage zu stellen. Sie beginnt mit der Möglichkeit, überhaupt zu bemerken, dass etwas infrage gestellt werden könnte.

Was vorher notwendig erschien, wird möglicherweise als eine von mehreren Möglichkeiten erkennbar.

Und was als Möglichkeit erkennbar wird, kann Gegenstand einer Entscheidung werden.

EVERYDAY ist ein Wirkfeld innerhalb von WHAT DIRECTS?. Es untersucht, wie alltägliche Wahrnehmungen, Gewohnheiten, Bewertungen und Entscheidungen entstehen – und wie sie durch künstlerische Interventionen erfahrbar werden.

Das Wirkfeld richtet den Blick auf die unscheinbaren Vorgänge, durch die unser Alltag Gestalt annimmt.

Ein Wort wird ausgetauscht. Eine Information hinzugefügt. Eine Regel verändert. Ein vertrauter Ablauf unterbrochen.

Was anschließend geschieht, bleibt offen.

Vielleicht verschiebt sich ein Urteil, eine Erwartung, eine Bewegung oder eine Vorstellung davon, was möglich ist.

Vielleicht geschieht auch nichts.

Dann bleibt die Frage, ob tatsächlich nichts geschehen ist oder ob lediglich keine sichtbare Veränderung stattgefunden hat.

Der Alltag ist kein feststehender Zustand. Er entsteht fortwährend durch das, was Menschen wahrnehmen, erwarten, entscheiden und tun – und durch die Bedingungen, unter denen dies geschieht.

Wir sind nicht seine alleinigen Urheber.

Aber wir sind an ihm beteiligt.

Und vielleicht beginnt die Möglichkeit einer bewussteren Beteiligung dort, wo das Selbstverständliche für einen Moment seine Selbstverständlichkeit verliert.

DU HAST SCHON ENTSCHIEDEN.

DANN VERÄNDERT SICH ETWAS.

WÜRDEST DU WIEDER SO ENTSCHEIDEN?

WHAT DIRECTS?

Was gibt unseren Handlungen Richtung – und wie verändern sie, was anschließend möglich wird?

EVERYDAY — Steffen Rolla

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Werkdaten

Autor / künstlerische Verantwortung
Steffen Rolla
Werkart
Essay
Medium
Text
Sprache
Deutsch
Verhältnis zu CMG
In Relation zu CMG
Wirkfeld
EVERYDAY
Zusammenhänge Zusammenhänge schließen

Entstehung

Künstlerischer Ausgangspunkt
Ausgangspunkt sind sechs Porträts in DIE ZEIT über persönliche Perspektiven auf Deutschland. Die Porträts sind journalistisches Material, keine Werke. Titel, Datum und URL der Veröffentlichung liegen hier nicht vor. Der Essay ist eine eigenständige künstlerische Weiterentwicklung, keine empirische Studie über nationale Eigenschaften.
Entstehungszusammenhang
Aus derselben Auseinandersetzung ist die Frage entstanden, wer erzählt, wie wir sind. Sie ist eine mögliche Untersuchung für UN/INFORM und nicht Teil dieses Werks. Eine gemeinsame Quelle begründet keine Werkbeziehung und keinen Werkkomplex.

Untersuchungsbezug

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