Wirkfeld
DEMOCRACY
Was gibt öffentlichem Urteil Richtung?
DEMOCRACY ist das Wirkfeld, in dem künstlerische Arbeiten und Untersuchungen auf demokratische Öffentlichkeit, politische Bildung, kommunale Räume und zivilgesellschaftliche Situationen treffen.
In öffentlichen Auseinandersetzungen wirken Informationen, Bilder, Begriffe, Erwartungen und bereits bestehende Zuordnungen mit.
Sie beeinflussen, welche Aussagen glaubwürdig erscheinen, welche Stimmen gehört werden und welche Reaktionen als naheliegend gelten.
WHAT DIRECTS? kann hier untersuchen, wodurch eine Wahrnehmung zur Deutung, eine Deutung zur Position und eine Position zur Handlung wird.
Künstlerische Setzungen können vorhandene Bedingungen sichtbar machen, verändern oder in neue Beziehungen bringen.
Dabei wird weder eine richtige Meinung vorgegeben noch ein bestimmter Konsens als Ergebnis verlangt.
CMG kann für bestimmte Untersuchungen als spezifische Architektur eingesetzt werden.
Alle Wirkfelder →NICHT NUR: WELCHE POSITION NEHMEN WIR EIN?
SONDERN: WAS HAT DIESER POSITION BEREITS RICHTUNG GEGEBEN?
Was wäre, wenn ein Unterschied nicht sofort zur Lagerzugehörigkeit wird?
Eine künstlerische Untersuchung kann Situationen eröffnen, in denen eine Aussage, ein Bild oder ein Unterschied nicht unmittelbar einer fertigen Position zugeordnet werden muss.
Sie bringt Sprache, Körper, Klang, Material, Raum und unterschiedliche Perspektiven in ein bestimmtes Verhältnis. Im Zusammentreffen mit den Beteiligten entsteht eine Situation, deren Verlauf nicht vollständig festgelegt ist.
Menschen nehmen wahr, hören, prüfen, reagieren und verantworten ihre Position. Dabei kann sichtbar werden, wie schnell Zustimmung, Ablehnung und Zugehörigkeit vorbereitet sind.
Nicht jede Untersuchung führt zu einer Unterbrechung bestehender Zuordnungen. Sie kann auch zeigen, weshalb eine bestimmte Zuordnung sinnvoll, notwendig oder gut begründet ist.
Ergebnisoffenheit bedeutet nicht, jede Unterscheidung grundsätzlich infrage stellen zu müssen.
Demokratisches Urteilen bedeutet hier nicht die Übernahme einer vorgegebenen Position. Eine Untersuchung macht den Weg zu einem Urteil sichtbar, ohne das Ergebnis festzulegen.
Wann wird aus einer Deutung ein Urteil?
Eine Aussage wird gehört.
Eine Information wird hinzugefügt.
Eine Erinnerung wird aktiviert.
Eine Erwartung bestätigt sich.
Ein Begriff erhält eine politische Zuordnung.
Eine Position erscheint naheliegend.
Doch wann wird daraus ein Urteil? Und was geschieht mit den anderen Deutungen, die bis dahin noch möglich waren?
Eine künstlerische Untersuchung kann diese Übergänge sichtbar und erfahrbar machen.
Dabei geht es nicht darum, jede Entscheidung möglichst lange aufzuschieben. Untersucht wird, welche Bedingungen eine Entscheidung vorbereiten und wann bestimmte Möglichkeiten ausgeschlossen werden.
Wer entscheidet, was überhaupt zur Entscheidung steht? Welche Alternativen werden benannt, welche Annahmen stecken bereits in der Frage, und welche Möglichkeiten bleiben unberücksichtigt? Diese vorbereitende Ordnung kann sichtbar werden, ohne dass die Untersuchung eine politische Antwort vorgibt.
WANN WIRD AUS EINEM NOCH-MÖGLICH EIN NICHT-MEHR-MÖGLICH?
WAS GIBT DEM ÜBERGANG VON EINER DEUTUNG ZUR NÄCHSTEN RICHTUNG?
Wie eine künstlerische Untersuchung in demokratischer Öffentlichkeit entsteht
Ausgangspunkt kann eine bereits bestehende öffentliche Situation sein. Ein Begriff. Eine politische Aussage. Ein Konflikt. Ein öffentlicher Ort. Eine überhörte Stimme. Eine historische Benennung. Eine Entscheidung, die selbstverständlich erscheint.
Nicht immer muss zunächst etwas verändert werden. Schon das genaue Untersuchen vorhandener Bedingungen kann Teil der künstlerischen Arbeit sein.
Eine Untersuchung kann anschließend neue Bedingungen setzen, Informationen zurückhalten, Perspektiven in Beziehung bringen oder einen öffentlichen Vollzug ermöglichen.
Wie Beteiligte darauf reagieren und welche Möglichkeiten daraus entstehen, wird nicht vorweggenommen.
DIE BEDINGUNGEN KÖNNEN UNTERSUCHT ODER VERÄNDERT WERDEN.
DAS ERGEBNIS STEHT NICHT FEST.
Eigenständige Werke können auch ohne benannte Untersuchung in demokratischer Öffentlichkeit erscheinen. Nicht jede künstlerische Arbeit ist eine WHAT DIRECTS?-Untersuchung.
Aus einer Situation können Texte, Objekte, Audioarbeiten, Filme, räumliche Spuren, öffentliche Editionen oder weitere Fragen hervorgehen.
Mögliche Realisierungen
Mögliche Realisierungen
Mögliche Realisierungsformen, keine Liste bereits abgeschlossener Projekte. Eine Kommune, Stiftung, politische Bildungseinrichtung, Kulturinstitution oder zivilgesellschaftliche Organisation kann beispielsweise anfragen:
- eine sprachliche oder räumliche Intervention im öffentlichen Raum
- eine künstlerische Untersuchung eines gesellschaftlich aufgeladenen Begriffs
- eine Audioarbeit über Hören, Überhören und öffentliche Stimme
- einen Vollzug zwischen Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven
- eine temporäre Edition in einem Rathaus, Museum oder Bildungsort
- eine ortsbezogene Arbeit zu Benennung, Erinnerung oder Zugehörigkeit
- eine filmische oder fotografische Weiterführung
- eine längerfristige künstlerische Zusammenarbeit
- eine materielle oder dokumentarische Spur der entstandenen Situation
EMPTY SPACE INTERVENTIONS
Leerstehende Ladenlokale und Schaufenster können temporäre Orte künstlerischer Untersuchungen werden. Bisherige Funktion, Sichtbarkeit im Stadtbild und Erwartungen an die Nutzung werden selbst Teil der Arbeit. Fragen, Schrift, Audio oder sichtbare Begegnungen können Wahrnehmungen, Zuordnungen und öffentliche Entscheidungen untersuchen. Die Beteiligung bleibt freiwillig. EMPTY SPACE INTERVENTIONS ist eine räumliche Form innerhalb von WHAT DIRECTS?, kein eigenes Wirkfeld und keine politische Kampagne. Sie kann unterschiedliche Wirkfelder berühren. DEMOCRACY ist berührt, wenn öffentliche Sichtbarkeit, gemeinsame Räume, Beteiligung, Zugehörigkeit oder gesellschaftliche Urteilsbildung Gegenstand sind. Nicht jede Schaufensterarbeit ist eine DEMOCRACY-Arbeit.
Beauftragt wird keine Kampagne zur Vermittlung einer vorbereiteten Meinung. Es werden keine Auftraggeber, Ergebnisse oder Wirkungen behauptet, die nicht stattgefunden haben.
Keine Meinungskampagne
Abgrenzung
DEMOCRACY ist kein politisches Kampagnenformat und keine Methode zur Herstellung vorgegebener Einstellungen.
Künstlerische Untersuchungen dienen nicht dazu, Beteiligte zu einer vorher festgelegten politischen Position zu führen.
Sie können Bedingungen sichtbar machen, unter denen Informationen wahrgenommen, Unterschiede bewertet und Urteile gebildet werden.
Es wird weder gesellschaftlicher Konsens noch die Verringerung von Polarisierung als Ergebnis versprochen.
UNTERSUCHT WIRD, WAS EIN URTEIL VORBEREITET.
NICHT, WELCHES URTEIL HERAUSKOMMEN MUSS.
Offenheit hat Grenzen
Offenheit hat Grenzen
Künstlerische Ergebnisoffenheit bedeutet nicht, dass jede Aussage gleich gut begründet, jede Behauptung gleichermaßen zutreffend oder jede Handlung legitim wäre.
Menschenwürde, Gleichberechtigung, Schutz vor Gewalt und die Grundlagen demokratischer Teilhabe werden durch die Offenheit einer Untersuchung nicht relativiert.
Überprüfbare Tatsachen werden nicht zu bloßen Perspektiven erklärt.
Untersucht werden kann, wie Menschen Informationen wahrnehmen, Behauptungen prüfen, Positionen entwickeln und Entscheidungen treffen.
Die Untersuchung legt das Ergebnis nicht im Voraus fest. Sie entbindet aber niemanden von der Verantwortung für eigene Aussagen und Handlungen.
Eine Intervention verfolgt keine parteipolitische Überzeugungsabsicht. Teilnehmende können eine Position verändern, beibehalten oder offenlassen. Politische Einstellungen müssen nicht offengelegt werden. Bei öffentlichen DUO-Begegnungen bleiben Freiwilligkeit und Schutz maßgeblich, auch bei ungleichen Machtverhältnissen.
DIE UNTERSUCHUNG BLEIBT OFFEN.
VERANTWORTUNG WIRD NICHT AUSGESETZT.
Kein Konsens als vorgegebenes Ergebnis
Eine demokratische Situation muss nicht in Einigkeit enden.
Eine Untersuchung kann zu übereinstimmenden oder unterschiedlichen Urteilen führen. Sie muss keinen Konflikt beseitigen. Ebenso wenig muss sie einen Konflikt künstlich aufrechterhalten.
Entscheidend ist, welche Bedingungen und Entscheidungen im Verlauf der Untersuchung erkennbar werden.
CMG
CMG als mögliche Untersuchungsarchitektur
Bei bestimmten Untersuchungen im Wirkfeld DEMOCRACY kann CMG – Creative Mind Gymnastics – eingesetzt werden.
Die Architektur ermöglicht es, bereits wirksame Bedingungen, bewusste Setzungen, offene Fragen, körperliche Vollzüge und entstandene Spuren miteinander in Beziehung zu setzen.
CMG kann den Untersuchungsprozess strukturieren, ohne ein bestimmtes Ergebnis vorzugeben.
Nicht jede DEMOCRACY-Untersuchung benötigt diese Architektur. WHAT DIRECTS? bleibt ein eigenständiges Untersuchungsfeld.
Künstlerische Untersuchungen beauftragen
Künstlerische Untersuchungen beauftragen
DEMOCRACY kann mit Kommunen, Stiftungen, Museen, Bibliotheken, Schulen, Hochschulen, politischen Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen realisiert werden.
Die Zusammenarbeit beginnt nicht mit einer fertigen Botschaft oder einem standardisierten Beteiligungsformat.
Ausgangspunkt sind der konkrete Ort, die vorhandene öffentliche Situation und die Frage, die dort künstlerisch untersucht werden soll.
DEMOCRACY bezeichnet ein gesellschaftliches Wirkfeld. WHAT DIRECTS? ermöglicht eigenständige künstlerische Untersuchungen innerhalb dieses Zusammenhangs.
Der Ausgangspunkt und die Rahmenbedingungen können gemeinsam geklärt werden. Die künstlerische Untersuchung dient nicht der Bestätigung einer vorgegebenen Meinung oder politischen Botschaft. Verlauf und mögliche Ergebnisse bleiben offen.
BEAUFTRAGT WIRD DIE UNTERSUCHUNG.
NICHT DIE BESTÄTIGUNG EINER VORGEGEBENEN POSITION.