ROLLA.STUDIO / KÜNSTLERISCHE ARBEITSWEISE

VERFAHREN

Vom Reiz zur Untersuchung.

Die künstlerische Arbeit beginnt häufig mit etwas, das nicht vollständig in das passt, was bereits darüber gedacht, gewusst oder erwartet wird.

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Ein Gegenstand. Ein Material. Ein Bild. Ein Satz. Eine Begegnung. Ein Geschmack. Eine Bewegung. Eine Entscheidung.

Etwas bleibt hängen.

Noch ist nicht entschieden, was daraus wird.

ETWAS TRIFFT.
NOCH IST NICHT ENTSCHIEDEN, WAS DARAUS WIRD.

DAS RINGEN

Aufmerksamkeit allein erzeugt noch keine Arbeit.

Etwas wird angesehen, wiederholt, gelesen, berührt, recherchiert, verändert, getrennt oder in einen anderen Zusammenhang gebracht.

Eine erste Erklärung kann plausibel erscheinen und wieder verworfen werden.

Wissen, Erinnerungen, Erfahrungen, Bewertungen und bereits vorhandene Ergebnisse wirken dabei mit.

Sie können selbst Gegenstand der Untersuchung werden.

DIE ERSTE PLAUSIBLE ERKLÄRUNG IST NOCH NICHT DIE ARBEIT.

VERSCHIEBEN

Eine wichtige Bewegung der Arbeit besteht darin, Bedingungen zu verändern.

Etwas wird verdeckt.

Etwas kommt später.

Eine Information fehlt.

Ein Gegenstand wird aus seinem gewohnten Zusammenhang genommen.

Ein Geschmack wird erfahren, bevor seine Herkunft bekannt ist.

Ein Bild wird anders gezeigt.

Ein Material wird körperlich bearbeitet.

Zwei Dinge werden nebeneinandergestellt, die vorher nicht miteinander verbunden waren.

Diese Veränderungen sind keine bloßen Gestaltungsmittel.

Sie erzeugen Situationen, in denen sichtbar oder erfahrbar werden kann, was unserer Wahrnehmung, unserem Denken und Handeln bereits Richtung gibt.

NICHT NUR DER GEGENSTAND VERÄNDERT SICH.
AUCH DIE BEDINGUNGEN, UNTER DENEN WIR IHM BEGEGNEN.

WHAT DIRECTS?

Investigations into what shapes how we see, think and act.

Aus dieser Arbeitsweise ist WHAT DIRECTS? als eigenständiges künstlerisches Untersuchungsfeld entstanden.

Untersucht werden nicht nur Gegenstände oder Themen, sondern die Bedingungen, unter denen etwas erscheint, Bedeutung erhält, bewertet wird oder zu einer Handlung führt.

Eine Untersuchung kann bei einer Konservendose beginnen. Bei einer Sardelle. Bei einem Material. Bei der Arbeitsweise eines Künstlers. Bei einer Entscheidung in einem Unternehmen. Bei einem dokumentierten Prozess.

Entscheidend ist nicht die Größe des Gegenstands.

Entscheidend ist, welche Beziehungen durch ihn untersuchbar werden.

WAS GIBT RICHTUNG?

WAS GIBT DEM ÜBERGANG VON EINEM ZUSTAND IN DEN NÄCHSTEN RICHTUNG?

WANN WIRD AUS EINEM MÖGLICHEN NÄCHSTEN SCHRITT DER TATSÄCHLICHE NÄCHSTE SCHRITT?

WANN WIRD AUS EINEM NOCH-MÖGLICH EIN NICHT-MEHR-MÖGLICH?

WAS MUSS GESCHEHEN, DAMIT ETWAS, DAS BISHER NICHT MÖGLICH WAR, MÖGLICH WIRD?

WANN WIRD DASSELBE ANDERS?

Nicht nur: Was ist das?

Sondern: Was lässt mich glauben, dass es das ist?

Nicht nur: Was geschieht?

Sondern: Was gibt dem Geschehen Richtung?

DAS ERGEBNIS STEHT NICHT FEST

WHAT DIRECTS? ist kein Verfahren zur Illustration einer bereits vorhandenen These.

Ein Ausgangspunkt kann gesetzt werden.

Bedingungen können bewusst verändert werden.

Fragen können eine Untersuchung ausrichten.

Aber das Ergebnis wird nicht vorweggenommen.

Eine Untersuchung kann eine Annahme bestätigen, verändern oder einen bisher unbeachteten Zusammenhang sichtbar machen.

Sie kann auch zeigen, dass die ursprüngliche Frage nicht mehr trägt.

NICHT DIE ANTWORT HÄLT DIE UNTERSUCHUNG ZUSAMMEN.
SONDERN DIE MÖGLICHKEIT, DASS ETWAS ANDERS WERDEN KANN.

UNTERSUCHUNG GESCHIEHT

Eine künstlerische Untersuchung ist nicht nur Reflexion über einen Gegenstand.

Sie kann körperlich vollzogen werden.

Sehen. Hören. Lesen. Tasten. Riechen. Schmecken. Gehen. Warten. Vergleichen. Verdecken. Ordnen. Trennen. Biegen. Schneiden. Sprechen. Entscheiden. Noch nicht entscheiden.

Dadurch entsteht ein Unterschied zwischen dem Wissen über eine Situation und dem tatsächlichen Vollzug in einer Situation.

Dieser Unterschied kann selbst Gegenstand der Untersuchung werden.

WAS GLAUBEN WIR ZU WISSEN?

Seit vielen Jahren dokumentiert rolla.studio Begegnungen mit Künstlerinnen und Künstlern, Arbeitsprozesse, Unterrichtssituationen und Gespräche.

Diese Aufzeichnungen sind nicht nur Archivmaterial.

Sie können selbst zum Ausgangspunkt neuer künstlerischer Untersuchungen werden.

WAS IST GESCHEHEN?

WAS DAVON IST DOKUMENTIERT?

WAS GLAUBEN WIR DESHALB ZU WISSEN?

Dokumentation zeigt etwas.

Und erzeugt zugleich eine neue Situation der Wahrnehmung.

CMG

Eine mögliche Architektur der Untersuchung.

Nicht jede künstlerische Untersuchung ist CMG.

CMG ist aus dieser Arbeitsweise hervorgegangen und stellt für bestimmte Untersuchungen eine entwickelte Architektur bereit.

Sie kann eingesetzt werden, wenn die Bedingungen, die Wahrnehmung, Denken und Handeln bereits Richtung geben, ausdrücklich zum Gegenstand der Untersuchung werden.

ATLAS

Bereits wirksame Bedingungen sichtbar machen.

SETZUNG

Eine Bedingung bewusst bestimmen oder verändern.

FRAGE

Eine Untersuchung ausrichten und offenhalten.

VOLLZUG

Eine tatsächliche Begegnung oder Handlung innerhalb der Untersuchung.

SPUR

Was bleibt, erinnert wird oder weiterwirkt.

Diese Architektur ist kein vorgeschriebener Ablauf.

Sie ist ein Instrument, das eingesetzt wird, wenn die Untersuchung es braucht.

WAS DARAUS WERDEN KANN

Eine Untersuchung muss nicht zu einem bestimmten Ergebnis führen.

Sie kann zu einer eigenständigen Arbeit werden.

Zu einer Werkreihe.

Zu einem Film.

Zu einer Edition.

Zu einer räumlichen oder körperlichen Situation.

Zu einer WHAT DIRECTS?-Untersuchung.

Zu einer CMG-Untersuchung.

Oder zu einer Frage, die weitergetragen wird.

Auch das Verwerfen einer Richtung gehört zum Verfahren.

Abschluss

ETWAS TRIFFT.
ETWAS BINDET AUFMERKSAMKEIT.
ETWAS WIRD UNTERSUCHT.
BEDINGUNGEN VERÄNDERN SICH.
MÖGLICHKEITEN ENTSTEHEN UND VERSCHWINDEN.
ETWAS BLEIBT.

WHAT DIRECTS?

Investigations into what shapes how we see, think and act.

By Steffen Rolla

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