ICHKÖRPER
Der Körper reagiert, bevor erklärt wird.
Material, Berührung, Bewegung, Widerstand und Spur können die Arbeit bestimmen.
Ganz einfach: Steffen Rolla bleibt der Urheber. Untersucht wird, was sich verändert, wenn derselbe Autor aus unterschiedlichen Positionen arbeitet. Diese Positionen heißen hier operative Identitäten.
WERKKOMPLEX
Untersuchungsprinzip Operative Identitäten
Der Urheber bleibt derselbe. Aber arbeitet immer dasselbe Ich?
Eine künstlerische Arbeit entsteht nicht nur aus Material, Thema, Medium und Situation.
Auch die Position, aus der heraus wahrgenommen, entschieden und gehandelt wird, verändert ihren Verlauf.
Der Werkkomplex WER ARBEITET, WENN ICH ARBEITE? untersucht diese Beweglichkeit.
Nicht durch erfundene Künstlerpersönlichkeiten.
Nicht durch Alter Egos.
Sondern durch operative Identitäten: zeitweise eingenommene autorische Positionen desselben Urhebers.
EIN AUTOR.
VERSCHIEDENE POSITIONEN.
Die eigene Position erscheint häufig selbstverständlich.
WER ARBEITET,
ICH ARBEITE?
Ich sehe.
Ich entscheide.
Ich mache.
Aber auch dieses Ich ist nicht neutral.
Es kann beobachten oder eingreifen.
Es kann körperlich reagieren oder sprachlich ordnen.
Es kann etwas wissen oder bewusst mit begrenztem Wissen arbeiten.
Es kann entscheiden oder Entscheidungen verzögern.
Es kann allein arbeiten oder sich mit einem technischen System auseinandersetzen.
Die Frage lautet deshalb nicht zuerst:
Wer bin ich?
Sondern:
Untersuchungsprinzip
Operative Identitäten sind zeitweise eingenommene autorische Positionen, aus denen Steffen Rolla arbeitet. Sie sind keine erfundenen Personen, keine Pseudonyme und keine Alter Egos. Sie verändern die Bedingungen, unter denen wahrgenommen, entschieden und ein Werk hervorgebracht wird.
IDENTITÄT IST HIER KEINE FIGUR.
IDENTITÄT IST EINE BEDINGUNG DES VOLLZUGS.
Der Urheber bleibt Steffen Rolla. Was wechselt, ist die Position des Vollzugs.
Die unterschiedlichen Arbeitszustände werden als hochgestellte Bezeichnungen des ICH markiert.
Der Körper reagiert, bevor erklärt wird.
Material, Berührung, Bewegung, Widerstand und Spur können die Arbeit bestimmen.
Die eigene Intervention tritt zurück.
Beobachten, Warten, Aufzeichnen und Sammeln werden zur Arbeitsweise.
Eine vorhandene Ordnung wird unterbrochen, verschoben oder ihrer Selbstverständlichkeit entzogen.
Die Arbeit geschieht aus einer Position begrenzter Vertrautheit.
Sprache, Ort, Codes oder Gewohnheiten sind nicht vollständig verfügbar.
Das Nichtwissen wird nicht sofort beseitigt.
Aus Möglichkeiten werden Entscheidungen.
Material wird ausgewählt, verworfen, verdichtet, geordnet und als Form verantwortet.
Generative Systeme treten in den Arbeitsprozess ein.
Sie erzeugen Möglichkeiten, Varianten, Widersprüche und unerwartete Anschlüsse.
Sie werden nicht unmittelbar übernommen.
Die Entscheidung über das Werk bleibt Teil des autorischen Ringens.
Eine Position wird eingenommen, die der vertrauten eigenen Haltung widerspricht.
Nicht um jemand anderes zu werden.
Sondern um die Bedingungen des eigenen Wahrnehmens und Entscheidens zu verändern.
OPERATIVE IDENTITÄT = zeitweise veränderte Position des Vollzugs bei gleichbleibender Urheberschaft.
Die Untersuchung fragt nicht:
WER ARBEITET,
ICH ARBEITE?
Wer ist Steffen Rolla wirklich?
Sondern:
Was geschieht mit einem Werk, wenn derselbe Mensch seine Arbeitsposition verändert?
Operative Identitäten sind keine festen Identitäten.
Sie sind keine Personen.
Sie besitzen keine erfundenen Biografien.
Sie sind keine Pseudonyme.
Sie sind keine Alter Egos.
Sie bezeichnen Bedingungen, unter denen eine Arbeit entsteht.
Sie können wechseln.
Sich überlagern.
Sich widersprechen.
Oder innerhalb eines Werks nacheinander auftreten.
ICHKÖRPER kann etwas beginnen.
ICHBEOBACHTER kann es verfolgen.
ICHKI kann neue Möglichkeiten hineintragen.
ICHAUTOR kann auswählen und entscheiden.
**ICH^KÖRPER** → **ICH^AUTOR**
**ICH^BEOBACHTER** → **ICH^KI** → **ICH^AUTOR**
NICHT MEHRERE AUTOREN.
MEHRERE POSITIONEN DESSELBEN AUTORS.
Die autorische Position muss nicht von Beginn an sichtbar sein.
Eine Arbeit kann zunächst ohne diese Information erscheinen.
Erst danach wird offengelegt, unter welcher Position oder Konstellation sie entstanden ist.
AUTORISCHE POSITION
ICHKI
oder:
AUTORISCHE KONSTELLATION
ICHKÖRPER ICHAUTOR
Dadurch entsteht eine zweite Begegnung mit dem Werk.
Was wurde vorher gesehen?
Was wurde dem Autor zugeschrieben?
Was verändert sich, nachdem die Arbeitsbedingung bekannt ist?
Hat sich das Werk verändert?
Oder nur seine Zuschreibung?
Der Werkkomplex versteht Autorschaft nicht als vollständig stabile Position vor dem Werk.
Sie kann sich im Vollzug verändern.
Mit Material.
Mit Wissen.
Mit Technologie.
Mit Distanz.
Mit einem Gegenüber.
Mit dem eigenen Körper.
Mit einer Entscheidung.
Unterschiedliche Systeme, Materialien, Positionen oder generative Prozesse können am Entstehen eines Werks beteiligt sein.
Die Verantwortung für Auswahl, Verwerfung, Verdichtung und veröffentlichte Form bleibt bei Steffen Rolla.
Die operative Identität verändert die Arbeitsbedingung. Sie ersetzt nicht die Verantwortung des Autors.
Die Idee ist mit CMG anschlussfähig, weil auch dort nicht nach einem vermeintlich reinen Ausgangspunkt gesucht wird. Untersucht werden Bedingungen, unter denen Wahrnehmung, Zuschreibung und Bedeutung entstehen.
Der Werkkomplex bleibt ein eigenständiger künstlerischer Untersuchungszusammenhang.
Wer hat etwas vorgeschlagen?
Wer hat etwas verworfen?
Wer hat entschieden, dass es bleibt?
Wer verantwortet die Form?
NICHT DIE PERSON WECHSELT.
DIE POSITION, AUS DER HERAUS GEARBEITET WIRD, WIRD BEWEGLICH.
Der Werkkomplex bleibt offen.
Neue operative Identitäten können hinzukommen.
Andere können verschwinden.
Manche werden nur für eine einzelne Arbeit relevant sein.
Entscheidend ist nicht die Vollständigkeit eines Systems.
Entscheidend ist, was mit einer Arbeit geschieht, wenn sich die Position verändert, aus der heraus sie entsteht.
WER ARBEITET,
ICH ARBEITE?
Die Arbeiten dieses Werkkomplexes entstehen fortlaufend.