Der Blick von 2026
Das geistreich-Archiv entstand zwischen 2009 und 2024 aus einer künstlerisch-vermittelnden Praxis. Künstlerinnen und Künstler wurden bei ihrer Arbeit begleitet und filmisch aufgezeichnet. Die Kamera hielt nicht nur Ergebnisse fest. Sie dokumentierte Körper, Sprache, Material, Entscheidungen, Unterbrechungen, Wiederholungen und Veränderungen innerhalb eines tatsächlichen Arbeitsprozesses.
Ab 2026 wird dieses Material aus einer anderen Perspektive gelesen. Die historischen Aufzeichnungen werden nicht nur als frühere Kurse erneut zugänglich gemacht. Sie werden zu einer Grundlage für die Untersuchung künstlerischer Praxis.
Vom Kurs zum Dokument eines Vollzugs
Was damals als Vermittlung aufgezeichnet wurde, lässt sich heute zugleich als Dokument eines künstlerischen Vollzugs betrachten.
Wie beginnt eine Arbeit? Was setzt die nächste Handlung in Gang? Wie verhält sich jemand zu Material und Widerstand? Wann wird entschieden, gewartet, verworfen oder weitergeführt? Welche Rolle spielen Erfahrung, Körper, Vorstellung, Zufall und Zeit?
Die Aufzeichnungen erlauben, solchen Fragen sehr nah am tatsächlichen Geschehen zu folgen.
Unterschiedliche Menschen. Unterschiedliche Vollzüge.
Steffen Rolla untersucht das Archiv ab 2026 auch vergleichend. Dabei geht es nicht darum, unterschiedliche künstlerische Positionen auf eine gemeinsame Methode zurückzuführen. Die Gegenüberstellung macht gerade ihre Unterschiede sichtbar.
Bei Gabriele Musebrink lässt sich etwa beobachten, wie Material, Schichtung, Eigenzeit und körperliche Erfahrung den Verlauf einer Arbeit mitbestimmen. Andere Künstlerinnen und Künstler entwickeln andere Beziehungen zu Beginn, Entscheidung, Rhythmus, Wiederholung, Widerstand oder Kontrolle.
Erst im Vergleich wird deutlicher, wie verschieden künstlerische Praxis vollzogen werden kann.
Keine nachträgliche Vereinnahmung
Die im geistreich-Archiv dokumentierten Arbeiten bleiben Arbeiten der jeweiligen Künstlerinnen und Künstler. Sie werden nicht rückwirkend zu Werken von Steffen Rolla oder zu Arbeiten von CMG erklärt.
Die gegenwärtige Arbeit von rolla.studio liegt in der Auswahl, Erschließung, Kontextualisierung und vergleichenden Betrachtung des historischen Materials.
Das Archiv bleibt Vergangenheit – der Blick darauf nicht.
Die historischen Aufzeichnungen verändern sich nicht. Aber die Fragen, die an sie gestellt werden, können sich verändern.
So wird geistreich ab 2026 nicht als Akademie fortgeführt, sondern als Archiv erschlossen, aus dem Editionen und neue Untersuchungen hervorgehen.
Das Archiv zeigt nicht eine künstlerische Praxis. Es zeigt, wie verschieden künstlerische Praxis vollzogen werden kann.