geistreich

Von der Akademie zum Archiv

2009–2026

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Der Anfang

geistreich entstand 2009 aus einer einfachen Beobachtung: Künstlerische Arbeit lässt sich nicht allein über fertige Bilder verstehen.

Entscheidend ist der Weg dorthin.

Wie wird ein Material angesetzt? Wann wird eine Entscheidung verworfen? Was geschieht im Warten, Überarbeiten oder Zerstören? Und wie lässt sich ein solcher Prozess vermitteln, ohne ihn auf eine feste Anleitung zu reduzieren?

Aus diesen Fragen entwickelten Susanne und Steffen Rolla die geistreich Akademie.

Eine Akademie vor der Kamera

Im Zentrum standen Künstlerinnen und Künstler mit eigenständigen Arbeitsweisen.

Ihre Ateliers wurden nicht nur besucht, ihre Verfahren nicht nur beschrieben. Die Kamera begleitete das tatsächliche Arbeiten: Körper, Hände, Material, Sprache, Unterbrechungen und Entscheidungen.

So entstanden keine bloßen Vorführungen fertiger Techniken. Aufgezeichnet wurden Situationen, in denen ein Werk noch nicht feststand.

Kein Kurs ohne vorausgehenden Vollzug.

Eine mediale Produktionspraxis

Jede Produktion durchlief mehrere Ebenen:

  1. 01 BEGEGNUNG

    Eine künstlerische Position und ihre Arbeitsweise wurden erschlossen.

  2. 02 KONZEPTION

    Gemeinsam mit der Lehrperson wurde eine Situation für die Aufzeichnung vorbereitet.

  3. 03 VOLLZUG

    Die Lehrperson arbeitete mit Material, Körper, Erfahrung und Sprache.

  4. 04 AUFZEICHNUNG

    Die Kamera beobachtete Handlung, Zeit, Raum und Veränderung.

  5. 05 MONTAGE

    Das aufgezeichnete Geschehen erhielt Auswahl, Rhythmus und mediale Ordnung.

  6. 06 VERÖFFENTLICHUNG

    Der Vollzug wurde als Videokurs zugänglich.

Mehr als 80 Lehrende

Im Laufe der Jahre wirkten mehr als 80 Künstlerinnen, Künstler und Lehrende aus unterschiedlichen Bereichen an geistreich mit.

Es entstand ein Bestand von mehr als 400 Videokursen und Aufzeichnungen zu Malerei, Zeichnung, Oberfläche, Farbe, Material und künstlerischem Prozess.

Die Vielfalt war dabei kein Nebeneffekt. Sie gehörte zum Prinzip der Akademie.

Nicht eine Methode sollte für alle gelten. Unterschiedliche künstlerische Haltungen, Entscheidungen und Denkweisen sollten nebeneinander erfahrbar werden.

Susanne und Steffen Rolla

geistreich wurde von Susanne und Steffen Rolla aufgebaut und geführt.

Susanne Rolla verantwortete wesentliche Teile der Organisation, Kommunikation, Begleitung und Entwicklung der Akademie.

Steffen Rolla entwickelte die mediale Form der Produktionen. Seine Arbeit lag in Begegnung, Konzeption, Kamera, Gespräch, Beobachtung, Auswahl, Gestaltung und Montage.

Die in den Aufzeichnungen entstehenden Arbeiten bleiben Werke der jeweiligen Künstlerinnen und Künstler. Die mediale Form, in der ihre Vollzüge beobachtet, geordnet und zugänglich wurden, entstand innerhalb von geistreich.

Als Akademie

Für die Teilnehmenden waren die Veröffentlichungen Kurse.

Sie ermöglichten, Materialien kennenzulernen, Verfahren nachzuvollziehen und eigene künstlerische Prozesse zu entwickeln. Die Aufzeichnungen dienten der Vermittlung und konnten als Anleitung genutzt werden.

geistreich war damit auch ein Bildungsangebot und ein wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen.

Diese Geschichte wird im Archiv nicht verborgen oder nachträglich umbenannt.

Als Archiv

Mit zeitlichem Abstand tritt eine weitere Bedeutung hervor.

Die Aufzeichnungen zeigen nicht nur, wie etwas gemacht wird. Sie bewahren Situationen, in denen Entscheidungen noch offen waren:

Dadurch sind die Aufzeichnungen mehr als historische Kursmaterialien. Sie bilden ein umfangreiches Archiv künstlerischer Vollzüge.

Der Blick von heute

rolla.studio betrachtet geistreich heute aus einer anderen Position.

Die damaligen Kurse werden nicht rückwirkend zu Werken von Steffen Rolla erklärt. Die künstlerischen Handlungen und Arbeiten gehören weiterhin den jeweiligen Lehrenden.

Zum heutigen Werkzusammenhang gehört jedoch die Frage, unter welchen Bedingungen diese Prozesse beobachtet, aufgenommen, ausgewählt, montiert und vermittelt wurden.

Das Archiv wird deshalb gesichtet, technisch aufbereitet, neu geordnet und schrittweise in Archiv-Editionen veröffentlicht.

Archiv ist hier nicht Rückkehr.

Es ist eine neue Form der Zugänglichkeit.

Drei Ebenen

DIE AKADEMIE

Ein Ort der künstlerischen Vermittlung und Veröffentlichung.

DIE AUFZEICHNUNGEN

Ein Bestand aus mehr als 400 dokumentierten Arbeitsprozessen mit über 80 Lehrenden.

DIE ARCHIV-EDITIONEN

Von rolla.studio ausgewählte, technisch aufbereitete und neu geordnete Bestände.

Was bleibt

geistreich gehört zur Vorgeschichte des heutigen Werks von Steffen Rolla.

Hier entstand über viele Jahre eine genaue Beschäftigung mit künstlerischem Handeln: mit Körper, Material, Sprache, Zeit, Entscheidung und Unterbrechung.

Was damals vor allem als Kurs zugänglich wurde, kann heute erneut betrachtet werden:

als Aufzeichnung eines Geschehens, bevor sein Ergebnis feststand.