WHAT DIRECTS? · DEMOCRACY · OFFEN
IM NAMEN DES GEMEINWOHLS.
Ich untersuche, wie der Begriff Gemeinwohl verwendet wird, welche Interessen und Vorstellungen sich dahinter verbergen und wer darüber entscheidet, was dem Gemeinwohl dienen soll. Mich interessiert, wie unterschiedliche Bedürfnisse miteinander ausgehandelt werden und wessen Perspektiven dabei sichtbar werden.
Wem dient unser Handeln?
Collection Audio
IM NAMEN DES GEMEINWOHLS.
01 / 01
DEMUT.
0:00 5:34
Zur Kollektion
01 — AUSGANGSPUNKT
Eine Entscheidung wird im Namen des Gemeinwohls begründet. Ein öffentlicher Raum soll verändert werden. Eine neue Regel wird eingeführt. Ein Vorhaben wird als notwendig bezeichnet. Dabei erscheint das Gemeinwohl häufig als etwas, das bereits feststeht. Als gäbe es eine gemeinsame Vorstellung davon, was für alle gut ist. Doch wer bestimmt, was dem Gemeinwohl dient? Welche Interessen werden berücksichtigt?
Welche Erfahrungen bleiben außerhalb der Entscheidung? Und was geschieht, wenn unterschiedliche Menschen unter demselben Begriff etwas anderes verstehen? Mich interessiert, wie selbstverständlich wir Begriffe verwenden, deren Bedeutung erst im konkreten Zusammenleben sichtbar wird.
02 — WAS ICH UNTERSUCHE
Ich untersuche, wie Vorstellungen vom Gemeinwohl entstehen, begründet und in gesellschaftliche Entscheidungen übersetzt werden. Wer spricht im Namen der Gemeinschaft? Wer kann seine Interessen einbringen? Wer wird gehört? Und wer ist von Entscheidungen betroffen, ohne an ihrer Entstehung beteiligt zu sein? Mich interessiert auch die Sprache. Eine Maßnahme kann als Fortschritt, Entlastung, Sicherheit oder Verbesserung bezeichnet werden.
Solche Begriffe richten unsere Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte. Andere geraten möglicherweise in den Hintergrund. Was für eine Gruppe eine Verbesserung darstellt, kann für eine andere eine Einschränkung bedeuten. Dabei muss nicht jede unterschiedliche Interessenlage zu einem unauflösbaren Gegensatz führen. Aber sie verlangt nach Auseinandersetzung.
WHAT DIRECTS? — Wer bestimmt, was wir als Gemeinwohl verstehen, und welche Vorstellungen geben unseren gemeinsamen Entscheidungen Richtung?
03 — KÜNSTLERISCHE PRAXIS
Meine Untersuchungen können bei einem öffentlichen Satz beginnen. Bei einer kommunalen Entscheidung. Bei der Gestaltung eines Platzes. Bei einer Auseinandersetzung in der Nachbarschaft. Oder bei einer scheinbar einfachen Frage: Wem gehört dieser Raum? Ich beobachte, recherchiere, vergleiche Aussagen und betrachte unterschiedliche Perspektiven.
Sprache, Fotografie, Audio, Karten, Gegenstände und konkrete räumliche Situationen können zu Untersuchungsmaterial werden. Ein öffentlicher Begriff kann aus seinem gewohnten Zusammenhang herausgelöst werden. Eine Entscheidung kann aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden. Eine vertraute Nutzung eines Ortes kann mit anderen möglichen Nutzungen verglichen werden. Dabei interessiert mich nicht nur, welche Positionen Menschen vertreten.
Mich interessiert, unter welchen Bedingungen diese Positionen entstehen. Welche Erfahrungen liegen ihnen zugrunde? Welche Interessen werden sichtbar? Und was verändert sich, wenn unterschiedliche Menschen einander tatsächlich zuhören?
04 — DIE KOLLEKTION
IM NAMEN DES GEMEINWOHLS verbindet Untersuchungen über öffentliche Entscheidungen, gesellschaftliche Interessen, Verantwortung und Zusammenleben. Die einzelnen Untersuchungen können unterschiedliche Maßstäbe haben. Eine konkrete Situation in der Nachbarschaft. Eine Entscheidung innerhalb einer Stadt. Eine politische Aussage. Oder eine grundsätzliche Frage nach dem Verhältnis zwischen individuellen Bedürfnissen und gemeinsamer Verantwortung.
Die Kollektion verfolgt nicht das Ziel, einen allgemeingültigen Begriff des Gemeinwohls festzulegen. Sie untersucht, wie dieser Begriff in unterschiedlichen Situationen verwendet wird und welche Folgen das haben kann. Dabei dürfen unterschiedliche Sichtweisen nebeneinander bestehen, aufeinandertreffen und einander widersprechen. Nicht jeder Widerspruch lässt sich auflösen. Aber seine Bedingungen können genauer betrachtet werden.
05 — WAS SICH VERSCHIEBT
Vielleicht beginnt die Untersuchung mit der Frage, ob eine bestimmte Entscheidung richtig ist. Doch während ich unterschiedliche Perspektiven betrachte, verändert sich möglicherweise die Fragestellung. Wer hat die Entscheidung vorbereitet? Welche Ziele wurden festgelegt? Welche Alternativen wurden geprüft? Und wurden die Menschen, die davon betroffen sind, überhaupt gefragt?
Das Gemeinwohl erscheint dann nicht mehr ausschließlich als Ziel, das erreicht werden soll. Es wird auch zur Frage nach dem Prozess, in dem ein gemeinsames Ziel entsteht. Mich interessiert, ob wir unsere Vorstellungen verändern können, wenn andere Erfahrungen sichtbar werden. Eine ursprünglich überzeugende Lösung kann unter neuen Bedingungen fragwürdig werden. Eine bisher übersehene Möglichkeit kann Bedeutung gewinnen.
Nicht nur Entscheidungen müssen am Gemeinwohl gemessen werden. Auch die Vorstellung davon, was Gemeinwohl bedeutet, muss untersucht werden können.
06 — OFFENE FORTSETZUNG
Unser Zusammenleben verändert sich. Neue Bedürfnisse entstehen. Gesellschaftliche Bedingungen verschieben sich. Menschen bringen unterschiedliche Erfahrungen und Erwartungen in gemeinsame Räume ein. Auch frühere Entscheidungen können dadurch neu betrachtet werden. Was einmal sinnvoll erschien, muss nicht unter allen zukünftigen Bedingungen sinnvoll bleiben. Mich interessiert, wie wir damit umgehen.
Wie können wir unterschiedliche Interessen wahrnehmen, ohne sie vorschnell zu vereinheitlichen? Wie können wir Entscheidungen treffen, ohne ihre Voraussetzungen für unveränderlich zu halten? Und wie können Menschen selbst an der Gestaltung der Bedingungen ihres Zusammenlebens beteiligt sein? Die Kollektion bleibt offen für neue Situationen, Stimmen, Widersprüche und Untersuchungen.
Im Namen des Gemeinwohls. Aber wessen Gemeinwohl? Wer entscheidet darüber? Und wie können wir gemeinsam überprüfen, was wir erreichen wollen?
Untersuchungen