WHAT DIRECTS? · OFFEN

HUMAN & AI — WER DENKT HIER EIGENTLICH?

Ich untersuche, wie künstliche Intelligenz unser Denken, Wahrnehmen und Handeln verändert. Mich interessiert, wann sie neue Möglichkeiten eröffnet, wann sie unsere Vorstellungen bestätigt und wie sich dabei unsere eigene Urteils- und Entscheidungsfähigkeit verändert.

WER DENKT? WER HANDELT? WER ENTSCHEIDET?

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HUMAN & AI — WER DENKT HIER EIGENTLICH?

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WER SPRICHT, WENN NIEMAND DA IST?

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01 — AUSGANGSPUNKT

Ich stelle einer künstlichen Intelligenz eine Frage. Sie antwortet. Ich lese, vergleiche, widerspreche oder frage weiter. Manchmal eröffnet mir eine Antwort einen Gedanken, den ich zuvor nicht hatte. Manchmal bestätigt sie lediglich eine Vorstellung, die ich bereits mitgebracht habe. Und manchmal erkenne ich erst nach mehreren Fragen, dass wir von einer Voraussetzung ausgegangen sind, die selbst hätte untersucht werden müssen.

Seit mehreren Jahren arbeite ich intensiv und inzwischen nahezu täglich im Dialog mit künstlicher Intelligenz. Dabei interessiert mich zunehmend weniger, wie schnell ein Ergebnis entsteht. Mich interessiert, was innerhalb dieses Dialogs mit meinem eigenen Denken geschieht. Wann entwickle ich einen Gedanken selbst? Wann greife ich einen Vorschlag auf? Und wann bemerke ich überhaupt, dass sich die Richtung meiner Überlegungen verändert hat?

02 — WAS ICH UNTERSUCHE

Ich untersuche, wie sich menschliches Denken und Handeln verändern, wenn künstliche Intelligenz an der Entwicklung von Fragen, Vorstellungen und Entscheidungen beteiligt ist. Welche Bedeutung hat die Formulierung meiner Frage? Welche Annahmen bringe ich bereits mit? Welche Möglichkeiten schlägt mir das System vor? Welche bleiben ungenannt? Mich interessiert, wie leicht eine sprachlich überzeugende Antwort den Eindruck von Wissen erzeugen kann.

Eine Erklärung kann plausibel erscheinen, obwohl sie unvollständig ist. Eine Empfehlung kann hilfreich wirken, obwohl sie bereits bestimmte Ziele voraussetzt. Und eine neue Möglichkeit kann mich auf einen Weg führen, den ich ursprünglich gar nicht verfolgt habe. Wann unterstützt mich die KI dabei, eigenständig zu denken? Wann beeinflusst sie, was ich überhaupt noch als Möglichkeit wahrnehme?

WHAT DIRECTS? — Wer oder was gibt meinem Denken Richtung, wenn ich mit künstlicher Intelligenz im Dialog bin?

03 — KÜNSTLERISCHE PRAXIS

Der Dialog selbst wird zum Material meiner künstlerischen Untersuchung. Ich stelle eine Frage. Ich überprüfe die Antwort. Ich verändere meine Fragestellung, führe einen Widerspruch ein oder kehre zu einem früheren Gedanken zurück. Manchmal entstehen daraus Texte, Bilder oder Audioarbeiten. Manchmal bleibt eine Frage offen. Mich interessiert besonders, was geschieht, wenn ich nicht auf die erstbeste Antwort hinarbeite.

Wenn ich eine Behauptung untersuche, statt sie sofort zu übernehmen. Wenn ich das Gegenteil einer vorgeschlagenen Lösung betrachte. Oder wenn ich erkenne, dass nicht die Antwort, sondern meine ursprüngliche Frage verändert werden muss. Dabei untersuche ich auch meine eigene Rolle. Ich bestimme, was ich frage, welche Antworten ich weiterverfolge und welche Ergebnisse ich veröffentliche.

Gleichzeitig beeinflussen die Vorschläge des Systems meine weiteren Gedanken. So entsteht eine wechselseitige Bewegung, deren Verlauf nicht vollständig vorhersehbar ist.

04 — DIE KOLLEKTION

HUMAN & AI verbindet künstlerische Untersuchungen über die Beziehung zwischen menschlicher Wahrnehmung, künstlicher Intelligenz und eigenständigem Handeln. Einzelne Untersuchungen können bei einem konkreten KI-Dialog beginnen. Andere bei einer gesellschaftlichen Behauptung über künstliche Intelligenz. Bei einem Bild, dessen Entstehung wir nicht mehr unmittelbar erkennen können. Bei einer Entscheidung, die von einem technischen System vorbereitet wird.

Oder bei der Frage, was menschliche Fähigkeiten unter veränderten technologischen Bedingungen bedeuten. Die Kollektion untersucht künstliche Intelligenz nicht ausschließlich als Werkzeug. Sie betrachtet sie zugleich als Gegenstand und Bedingung meiner Arbeit. Dabei geht es weder darum, menschliches Denken grundsätzlich gegen künstliche Intelligenz auszuspielen, noch darum, technische Möglichkeiten unkritisch zu übernehmen.

Mich interessiert, wie sich beide zueinander verhalten und welche neuen Fragen daraus entstehen.

05 — WAS SICH VERSCHIEBT

Eine Antwort kann meine Vorstellung verändern. Aber auch mein Verständnis davon, was eine Antwort überhaupt leisten kann, verändert sich. Nicht jede verständliche Erklärung ist ausreichend. Nicht jede neue Möglichkeit ist sinnvoll. Nicht jede Entscheidung wird besser, nur weil sie schneller getroffen werden kann.

Vielleicht liegt eine wichtige menschliche Fähigkeit gerade darin, Fragen neu zu stellen, Ziele zu überprüfen und Antworten nicht mit Entscheidungen gleichzusetzen. Auch mein Verständnis von Kreativität wird dadurch untersuchbar. Wenn eine KI einen Vorschlag entwickelt, den ich weiterverändere, wem schreibe ich welche Handlung zu? Welche Bedeutung haben meine Erfahrungen, meine Auswahl und mein Urteil?

Und was geschieht mit meiner eigenen Vorstellung, wenn ich einen Vorschlag nicht nur bewerte, sondern mich durch ihn verändern lasse?

Nicht nur die Antworten verändern unser Denken. Auch unser Verständnis davon, wie wir denken, kann sich verändern.

06 — OFFENE FORTSETZUNG

Die technischen Möglichkeiten künstlicher Intelligenz verändern sich. Auch meine eigene Erfahrung im Umgang mit diesen Systemen entwickelt sich weiter. Was mir heute ungewöhnlich erscheint, kann morgen selbstverständlich sein. Was ich heute für eine hilfreiche Unterstützung halte, kann sich unter anderen Bedingungen als Begrenzung erweisen. Deshalb kehre ich zu früheren Dialogen, Fragen und Entscheidungen zurück.

Ich vergleiche, was ich damals angenommen habe und was ich heute anders wahrnehme. Die Kollektion bleibt offen für neue Systeme, Erfahrungen, Widersprüche und Perspektiven.

Wer denkt hier eigentlich? Wer entscheidet, welche Gedanken weiterverfolgt werden? Und wie verändern wir selbst die Richtung unseres Denkens?

Untersuchungen

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