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WENIGER.
ANDERS. MEHR?

Ich untersuche, wie sich meine Vorstellungen von Ernährung, Gesundheit und Genuss verändern, wenn ich beginne, bewusster auf meinen Körper zu hören. Mich interessiert, welche Gewohnheiten mein Essen und Trinken prägen, wie ich neue Möglichkeiten entdecke und was geschieht, wenn meine bisherigen Maßstäbe nicht mehr selbstverständlich sind.

WENIGER IST EINE MENGE. ANDERS IST EINE MÖGLICHKEIT. MEHR BLEIBT EINE FRAGE.

Steffen Rolla · Seit 2026 · Fortlaufende künstlerische Untersuchung

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WENIGER. ANDERS. MEHR?

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FEHLT. NICHT. SCHMECKT.

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01 — AUSGANGSPUNKT

Ich bin Anfang 60 und beginne, genauer auf meinen Körper zu hören. Ich achte stärker darauf, wie ich mich bewege, was ich esse und trinke und wie ich mich dabei fühle. Manche Gewohnheiten, die mich über viele Jahre begleitet haben, möchte ich überprüfen.

Ich trinke gerne Wein. Mich interessieren seine geschmackliche Vielfalt, die Arbeit der Winzer und die Kultur der Weinbars. Ich schätze gutes Essen, unterschiedliche Zubereitungen und die Erfahrung gemeinsamer Mahlzeiten. Gleichzeitig möchte ich weniger Alkohol konsumieren, möglichst auf Kohlensäure verzichten, meinen Zuckerverbrauch überprüfen und bewusster mit Salz und Fett umgehen.

Dabei entsteht eine Spannung. Ich möchte bestimmte Gewohnheiten verändern, aber nicht auf die Erfahrungen verzichten, die ich mit ihnen verbinde. Weniger Alkohol soll nicht automatisch weniger Genuss bedeuten. Weniger Zucker muss nicht bedeuten, dass Geschmack verloren geht. Und weniger Fett ist nicht grundsätzlich die bessere Entscheidung, denn auch die Art des Fettes und seine Funktion in der Ernährung spielen eine Rolle.

Mich interessiert, wie meine Vorstellungen von gutem Essen und Trinken entstanden sind. Was halte ich für hochwertig, gesund oder besonders genussvoll? Welche dieser Maßstäbe beruhen auf eigenen Erfahrungen? Welche habe ich durch meine Umgebung, durch Werbung, kulturelle Gewohnheiten oder gesellschaftliche Vorstellungen übernommen?

Vielleicht beginnt eine Veränderung nicht damit, dass ich etwas weglasse. Vielleicht beginnt sie damit, dass ich genauer untersuche, was ich bisher für selbstverständlich gehalten habe.

02 — WAS ICH UNTERSUCHE

Ich untersuche die Beziehung zwischen körperlicher Wahrnehmung, Ernährungsgewohnheiten, geschmacklichen Erwartungen und eigenen Entscheidungen. Dabei interessiert mich nicht nur, welche Lebensmittel ich auswähle, sondern auch, wodurch meine Auswahl beeinflusst wird.

Warum schmeckt mir etwas? Welche Rolle spielen Erfahrungen, Erinnerungen und Gewohnheiten? Wann erwarte ich, dass ein Getränk süß, ein Gericht salzig oder eine Speise besonders reichhaltig sein muss? Welche Eigenschaften schreibe ich einem Produkt zu, bevor ich es überhaupt probiert habe?

Mich interessiert ebenso, wie Hersteller ihre Produkte beschreiben. Begriffe wie natürlich, hochwertig, gesund, fettarm, zuckerreduziert oder alkoholfrei erzeugen Vorstellungen. Sie können helfen, Eigenschaften zu erkennen, aber auch Erwartungen hervorrufen, die über die tatsächliche Zusammensetzung hinausgehen.

Dabei möchte ich meinen Körper nicht ausschließlich als Messinstrument betrachten. Körperliche Erfahrungen können mir wichtige Hinweise geben, sind aber nicht mit medizinischen Erkenntnissen oder ernährungswissenschaftlichen Bewertungen gleichzusetzen.

Welche Bedeutung haben Geschmack, Sättigung, Wohlbefinden und Verträglichkeit? Wie verändert sich meine Wahrnehmung, wenn ich eine Zutat reduziere, ein Lebensmittel anders zubereite oder eine gewohnte Kombination verändere?

WHAT DIRECTS? — Was bestimmt meine Vorstellung von einer guten Ernährungsentscheidung, und wie erkenne ich, wann sich mein Maßstab verändern sollte?

03 — KÜNSTLERISCHE PRAXIS

Meine Untersuchungen beginnen bei alltäglichen Erfahrungen. Ein Getränk, eine Zutatenliste, ein Stück Brot oder eine Mahlzeit können zum Ausgangspunkt werden. Ich beobachte, lese, vergleiche, stelle Fragen und überprüfe meine Vorstellungen. Manchmal führt eine Irritation zu einer neuen Frage. Manchmal verändert sich während der Untersuchung sogar das Ziel, mit dem ich begonnen habe.

So entdecke ich NOU, ein Getränk aus PIWI-Traubensaft, Kräutern und weiteren pflanzlichen Zutaten. Zunächst interessiert mich, warum es als alkoholfreie Alternative beschrieben wird, obwohl es nicht aus entalkoholisiertem Wein entsteht. Dann bemerke ich, dass es Kohlensäure enthält. Dadurch verändert sich meine Suche, denn ich möchte möglichst auf Kohlensäure verzichten.

Ich beginne, nach stillen Getränken zu suchen, und begegne Kompositionen aus fermentiertem Tee, Früchten und Pflanzen. Ich entdecke unterschiedliche Herstellungsverfahren und beginne zu untersuchen, wie die Produzenten mit ihren Ausgangsstoffen arbeiten, welche geschmacklichen Ziele sie verfolgen und wie sie ihre Prozesse gestalten.

Auch andere Lebensmittel eröffnen solche Untersuchungen. Wie verändert sich ein vertrautes Gericht, wenn ich weniger Salz verwende? Welche neuen Möglichkeiten entstehen durch Kräuter, Säure oder andere Zubereitungen? Was geschieht, wenn ich Süße nicht mehr ausschließlich durch Zucker erzeuge? Und welche Rolle spielen unterschiedliche Fette für Geschmack, Textur und Ernährung?

Ich kann solche Fragen durch eigene Versuche, Verkostungen, Fotografien, Texte, Audioarbeiten oder gemeinsame Experimente untersuchen. Dabei geht es nicht darum, bereits feststehende Antworten zu illustrieren. Mich interessiert, was während der Auseinandersetzung sichtbar wird.

Nicht jede Untersuchung muss zu einer Veränderung meines Verhaltens führen. Auch die Erkenntnis, warum ich an einer Gewohnheit festhalte, kann bedeutsam sein.

04 — DIE KOLLEKTION

WENIGER. ANDERS. MEHR? verbindet künstlerische Untersuchungen über Ernährung, körperliche Bedürfnisse, Geschmack, Gewohnheiten und die Vorstellungen, die unsere Entscheidungen beeinflussen.

Die Kollektion beginnt bei meinem eigenen Wunsch, bewusster zu essen und zu trinken. Sie ist jedoch kein Ernährungsprogramm und keine Anleitung zur Selbstoptimierung. Ich möchte nicht von vornherein bestimmen, was für jeden Menschen besser oder gesünder ist. Mich interessiert, wie unterschiedliche Bedürfnisse, Erfahrungen und Wissensformen miteinander in Beziehung treten.

Eine Untersuchung beschäftigt sich mit der Frage, warum wir ein Getränk über das definieren, was ihm fehlt. Eine weitere führt zu stillen Getränken aus fermentiertem Tee und botanischen Zutaten und untersucht, wie sich jenseits des Weins eigene Geschmackswelten entwickeln.

Andere mögliche Untersuchungen betreffen Zucker, Salz und Fett. Wie entstehen unsere Vorstellungen von der richtigen Menge? Welche Rolle spielen Zutaten, Verarbeitung und Zubereitung? Wann wird eine Reduktion als Verlust wahrgenommen, und wann eröffnet eine andere Verwendung neue Möglichkeiten?

Die einzelnen Untersuchungen müssen nicht zu denselben Schlussfolgerungen führen. Was ich geschmacklich bevorzuge, muss nicht für andere Menschen gelten. Was sich für mich körperlich angenehm anfühlt, kann unter anderen Bedingungen anders erlebt werden.

Die Kollektion bleibt offen für neue Lebensmittel, Erfahrungen, Widersprüche und Veränderungen meiner eigenen Ziele.

05 — WAS SICH VERSCHIEBT

Am Anfang steht der Wunsch, weniger von etwas zu konsumieren. Weniger Alkohol, weniger Zucker, vielleicht weniger Salz oder eine andere Auswahl und Verwendung von Fetten. Doch während ich mich damit beschäftige, verändert sich meine Frage.

Nicht nur: Wie kann ich etwas reduzieren?

Sondern: Warum verwende oder konsumiere ich es bisher in dieser Weise? Welche Funktion erfüllt es für mich? Welche anderen Möglichkeiten gibt es? Und was möchte ich mit der Veränderung eigentlich erreichen?

Bei meiner Suche nach Getränken wird diese Verschiebung besonders deutlich. Zunächst suche ich nach einem Ersatz für Wein. Dann bemerke ich, dass ich eigentlich ein stilles, geschmacklich interessantes Getränk entdecken möchte, das meinen veränderten Bedürfnissen entspricht. Ich beginne, Tee, Fermentation, botanische Zutaten und unterschiedliche Verfahren der Geschmacksentwicklung zu untersuchen.

Damit verändert sich mein ursprüngliches Ziel. Ich suche nicht mehr ausschließlich nach einem Getränk, das möglichst ähnlich wie Wein schmeckt. Ich interessiere mich zunehmend für etwas Eigenständiges, für das ich möglicherweise erst neue geschmackliche Maßstäbe entwickeln muss.

Auch beim Essen kann sich dieser Prozess wiederholen. Wenn ich Salz reduziere, muss die entscheidende Frage nicht sein, wie ich den gewohnten Salzgeschmack möglichst genau ersetze. Vielleicht verändert sich meine Aufmerksamkeit für andere Eigenschaften der Zutaten. Vielleicht entdecke ich aber auch, dass eine bestimmte Menge Salz für ein Gericht sinnvoll ist.

Weniger ist nicht automatisch besser. Anders ist nicht automatisch gesünder. Und mehr Genuss lässt sich nicht garantieren.

Mich interessiert, wie sich meine Entscheidungen verändern, wenn ich eigene Erfahrungen, körperliche Wahrnehmung und überprüfbares Wissen miteinander verbinde.

Nicht nur meine Gewohnheiten können sich verändern. Auch meine Vorstellung davon, was ich erreichen möchte, wird Teil der Untersuchung.

06 — OFFENE FORTSETZUNG

Mein Körper verändert sich. Mit dem Alter, mit Bewegung, Ernährung, Erfahrungen und Lebensbedingungen. Auch meine Vorstellungen von Gesundheit und Genuss bleiben nicht unverändert.

Ich weiß noch nicht, welche bisherigen Gewohnheiten ich dauerhaft verändern werde. Vielleicht entdecke ich neue Lebensmittel und Zubereitungen. Vielleicht lerne ich vertraute Dinge anders zu schätzen. Vielleicht stelle ich fest, dass eine zunächst attraktiv erscheinende Alternative für mich nicht geeignet ist.

Mich interessiert auch, wie sich mein Verhältnis zu Empfehlungen, Messwerten und wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelt. Wann geben sie mir Orientierung? Wann beginne ich, eine allgemeine Empfehlung zu einem persönlichen Maßstab zu machen, ohne die eigenen Bedingungen ausreichend zu berücksichtigen?

Meine körperlichen Erfahrungen sind dabei ein wichtiger Ausgangspunkt, aber nicht die einzige Grundlage für Entscheidungen. Ich möchte wahrnehmen, vergleichen, nachfragen und überprüfen, statt lediglich eine Gewissheit durch eine andere zu ersetzen.

Die Kollektion wächst mit den Untersuchungen, die tatsächlich entstehen. Zucker, Salz, Fett, Getränke und andere Lebensmittel sind mögliche Ausgangspunkte. Welche Fragen daraus werden, lässt sich nicht vollständig vorwegnehmen.

Vielleicht entdecke ich, dass ich von etwas weniger brauche. Vielleicht finde ich einen anderen Umgang damit. Vielleicht eröffnet eine Veränderung neue Erfahrungen, die ich vorher nicht erwartet habe.

WENIGER. ANDERS. MEHR? Was geschieht, wenn ich beginne, nicht nur meine Ernährung, sondern auch meine Vorstellungen von Gesundheit und Genuss zu untersuchen?

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