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Künstlerische Untersuchung · EVERYDAY · HEALTHY · WHAT DIRECTS?

WAS FEHLT, WENN NICHTS ENTFERNT WURDE?

Warum nennen wir ein Getränk alkoholfrei, das gar nicht erst als alkoholhaltiges Produkt entstanden ist?

Ich entdecke NOU, ein alkoholfreies Getränk des PIWI Kollektivs. Es besteht aus rotem PIWI-Traubensaft, Kiefernadeln, Verbena, Ingwer, Zitrone und einem Hauch Balsamico. So lese ich es in der Produktbeschreibung des Herstellers. Der Hersteller betont, dass er bewusst auf entalkoholisierten Wein verzichtet.

Mich interessiert diese Entscheidung. Warum erscheint mir das Getränk zunächst als Alternative zu Wein? Und warum beginne ich, über etwas nachzudenken, das gar nicht enthalten ist?

Mein Vergleich hat bereits begonnen. Aber wodurch?

Ausgangsimpuls

Ausgangsimpuls

Ein Getränk. Eine Bezeichnung.

NOU wird als alkoholfreies Getränk angeboten.

Anders als bei entalkoholisiertem Wein wird hier nicht zunächst Wein hergestellt und anschließend der Alkohol entfernt. Das ist die Darstellung des Herstellers. Die Rezeptur beginnt mit Traubensaft und weiteren Zutaten.

Ich lese die Produktbeschreibung und bemerke, dass ich trotzdem an Wein denke.

Vielleicht liegt das an den Trauben.

Vielleicht an der Präsentation.

Vielleicht an dem Begriff „alkoholfrei“.

Die Beschreibung steht auf der Seite des PIWI Kollektivs: https://piwi-kollektiv.de/produkte/nou-alkoholfrei/

Eine Bezeichnung stellt eine Beziehung her, bevor ich eine eigene Erfahrung gemacht habe.

Bild, Audio, Video

Bild, Audio, Video

Eigenständige Audioarbeit

FEHLT. NICHT. SCHMECKT.

2:12

0:00 2:12
Transkript

[Title: FEHLT. NICHT. SCHMECKT.]

[Intro – dry spoken voice, isolated words, long silences]

ALKOHOL.

FREI.

ALKOHOL-FREI.

FREI VON.

FREI WOVON?

[Silence]

NICHTS.

[Cut-up – fragmented speech, irregular rhythm]

FEHLT.

FEHLT NICHT.

NICHT FEHLT.

FEHLT NICHTS?

NICHTS FEHLT.

NICHT.

NICHT.

NOCH NICHT.

[Sudden stop]

[Whisper – close microphone]

Ich habe noch nichts probiert.

Noch nichts.

Noch nicht.

Nicht.

[Rhythmic spoken loop – increasingly fragmented]

Ich lese.

Ich denke.

Ich lese.

Ich lenke.

Ich denke.

Ich schmecke.

Ich denke, ich schmecke.

SCHMECKE ICH?

DENKE ICH?

[Overlapping voices – left and right]

[Voice A]

TRAUBE.

SAFT.

TRAUBE.

SAFT.

[Voice B]

WEIN.

KEIN WEIN.

WEIN.

KEIN.

[Voice C]

ERSATZ.

SATZ.

SATZ.

ER-SATZ.

[Glitch break]

ER.

SATZ.

ERSETZT.

[Glitch break]

ER.

SATZ.

ERSETZT.

WER SETZT?

WER SETZT DEN SATZ?

[Percussive word fragments]

KIEFER.

NADEL.

ING.

WER?

INGWER.

ZIT.

RONE.

VER.

BENA.

BAL.

SAM.

ICO.

[Voices collide, words dissolve]

SÜSS.

SAUER.

HERB.

MEHR.

MEHR?

MEHR ALS WAS?

[Silence]

[Low voice – slow, questioning]

Was fehlt?

Dem Getränk?

Dem Gedanken?

Dem Geschmack?

[Cut-up crescendo – fast, irregular repetitions]

FREI.

FEHLT.

FREI.

FEHLT NICHT.

FREI VON.

FREI FÜR.

FREI WOVON?

FREI WOFÜR?

[Sudden silence]

[Single voice – very close, almost intimate]

Ich habe noch nichts probiert.

Aber ich habe schon einen Geschmack im Kopf.

[Fragmentation – granular voice, fading]

GE-SCHMACK.

GE-DACHT.

GE-MACHT.

GE-SCHMACK.

GE-DACHT.

GE-SCHMACKT?

[Final rhythmic collision]

FEHLT.

NICHT.

SCHMECKT.

FEHLT NICHT.

SCHMECKT NICHT.

NICHT SCHMECKT.

SCHMECKT?

SCHMECKT?

[Long silence]

[One dry spoken voice]

WHAT DIRECTS?

[Whisper]

Wer schmeckt hier eigentlich?

[Hard cut to silence]

Eigenständige Audioarbeit

DER KÖRPER TRINKT MIT.

3:02

0:00 3:02
Transkript

[Intro — close microphone, dry spoken voice, almost silent]

Blubb.

[Pause]

Blubb.

Ein Wort.

Noch kein Schluck.

Noch keine Erfahrung.

Aber schon ein Bild.

[Soft bubbling sound, irregular rhythm]

Blubb.

Es klingt leicht.

Es klingt frisch.

Es klingt nach Bewegung.

[Whispered, fragmented, left and right]

Leicht.

Frisch.

Lebendig.

Prickelnd.

[Sudden silence]

Wer sagt das?

[Spoken Word — calm, analytical]

Ein Hersteller schreibt:

Blubb.

Ich lese:

Kohlensäure.

Ich denke:

Körper.

[Low-frequency pulse begins]

Was geschieht,

wenn ich trinke?

Was geschieht

in meinem Körper?

Prickeln.

Druck.

Bewegung.

Aufstoßen?

Völlegefühl?

Vielleicht.

Vielleicht nicht.

[Cut-up — overlapping voices, rhythmic fragmentation]

BLUBB.

BLU —

B —

BLUBB.

Wort.

Stoff.

Körper.

Wort.

Stoff.

Körper.

[Pause — single breath]

Was vertrage ich?

Was glaube ich zu vertragen?

Was habe ich überhaupt erfahren?

[Spoken — increasingly questioning]

Ich habe noch nichts untersucht.

Ich habe nur gelesen.

Ein Wort.

Und dieses Wort

hat meine Frage verändert.

[Deep pulsing bass, stretched liquid sounds]

Zuerst fragte ich:

Was verspricht das Produkt?

Jetzt frage ich:

Was sagt mein Körper?

Und wer entscheidet,

welcher Antwort ich vertraue?

[Whispers rising, contrasting voices]

Das Versprechen?

Der Geschmack?

Die Erfahrung?

Das Versprechen?

Der Geschmack?

Der Körper?

[Hard cut — complete silence]

Vielleicht

habe ich bisher

das Produkt beurteilt.

Und meinen Körper

gar nicht gefragt.

[Slow, intimate spoken voice]

Ist die Kohlensäure

meine Untersuchung?

Oder ist es

meine eigene Wahrnehmung?

[Fragmented echoes]

BLUBB.

Körper.

BLUBB.

Erfahrung.

BLUBB.

Entscheidung.

[Final section — voice becomes clear and completely dry]

Was gibt Richtung?

Ein Wort?

Ein Versprechen?

Ein Geschmack?

Oder eine Erfahrung,

die ich noch gar nicht gemacht habe?

[Long silence]

Blubb.

[Very quiet]

Der Körper trinkt mit.

[Outro — isolated voice]

Ich untersuche weiter.

[End — no musical resolution]

Irritation

Warum denke ich an Wein?

Der Hersteller beschreibt ein Getränk, das bewusst nicht aus entalkoholisiertem Wein hergestellt wird.

Trotzdem entsteht in meinem Kopf ein Vergleich.

Wie ähnlich ist es Wein?

Kann es Wein ersetzen?

Ist es eine überzeugende alkoholfreie Alternative?

Ich bemerke, dass ich einen Maßstab verwende, den das Getränk selbst nicht zwingend verlangt.

Warum soll ein eigenständiges Getränk die Erwartungen erfüllen, die ich an ein anderes Getränk stelle?

Interpretation

Das Wort trinkt mit.

Ich begegne dem Getränk nicht voraussetzungslos.

Die Bezeichnung „alkoholfrei“ verweist auf Alkohol.

Der Begriff „PIWI“ verweist auf eine bestimmte Vorstellung von Weinbau.

„Umweltschonend“ erzeugt eine weitere Bedeutung. Der Hersteller verwendet dieses Wort. Ich übernehme es hier als seine Aussage.

„Hochwertig“ setzt eine Erwartung an Qualität. Auch das lese ich bei ihm, nicht als Ergebnis einer eigenen Prüfung.

Die Produktbeschreibung vermittelt nicht nur Zutaten.

Sie beeinflusst auch, unter welchen Gesichtspunkten ich das Getränk betrachten könnte.

Meine Wahrnehmung wird vorbereitet.

Noch bevor ich das Glas in die Hand nehme.

Widerspruch

Vielleicht fehlt gar nichts.

Bei entalkoholisiertem Wein wird Alkohol aus einem zuvor alkoholhaltigen Wein entfernt.

NOU folgt einem anderen Herstellungsansatz. So stellt es der Hersteller dar. Das Getränk wird aus Traubensaft und weiteren Zutaten komponiert.

Es muss deshalb nicht als unvollständiger Wein verstanden werden.

Trotzdem bleibt die Einordnung als alkoholfreie Variante bestehen.

Vielleicht braucht die Kommunikation diesen Vergleich, damit Menschen das Getränk einordnen können.

Vielleicht schränkt derselbe Vergleich aber auch ein, was sie darin erkennen.

Hilft mir eine vertraute Kategorie, etwas Neues zu verstehen? Oder begrenzt sie meine Wahrnehmung?

Perspektivverschiebung

Vom Ersatz zum Eigenständigen.

Meine erste Frage entsteht beim Lesen der Produktbeschreibung.

Ausgangsfrage

Ist NOU ein guter Ersatz für Wein?

Weiterentwickelte Frage

Warum suche ich überhaupt nach einem Ersatz?

Ich beginne zu unterscheiden zwischen den Eigenschaften eines Getränks und meinen Erwartungen an seine Verwendung.

Vielleicht kann ich NOU als eigenständige Komposition betrachten.

Ob mir das gelingt und wie sich dies auf meine Geschmackserfahrung auswirkt, weiß ich noch nicht.

Aber die ursprüngliche Fragestellung hat sich bereits verändert.

Nicht das Getränk hat sich verändert. Meine Frage an das Getränk verändert sich.

Eigene Beobachtung

Ich habe noch nichts probiert.

Auch wenn sich meine Frage verschoben hat, entstehen beim Lesen bereits geschmackliche Vorstellungen.

Ich lese die Beschreibung des Herstellers.

PIWI-Trauben.

Umweltschonender Anbau.

Kiefernadeln.

Verbena.

Ingwer.

Zitrone.

Balsamico.

Diese Begriffe lösen Vorstellungen aus. Dass der Anbau umweltschonend sei, steht in seiner Beschreibung. Ich habe das nicht geprüft.

Trauben lassen mich Fruchtigkeit erwarten, Zitrone Säure, Ingwer Schärfe und Kiefernadeln möglicherweise herbe oder harzige Noten. Auch der Hinweis auf hochwertige Zutaten beeinflusst meine Erwartung. Das lese ich bei ihm, nicht als Ergebnis einer eigenen Prüfung.

Doch das sind bislang Erwartungen. Ich habe NOU noch nicht selbst probiert.

Schmecke ich dann das Getränk oder meine Erwartung?

Wann beginnt meine Bewertung? Erst beim Probieren oder bereits beim Lesen?

Irritation

Was drin ist, kann stören.

Ich beschäftige mich mit dem Alkohol, der in NOU nicht enthalten ist. Dabei fällt mir auf, dass der Hersteller von „Blubb“ spricht. Ich verstehe das als Kohlensäure. Das Prickeln gehört für viele Menschen zu einer vertrauten Vorstellung von Schaumwein und festlichen Getränken.

Doch nicht jeder Körper erlebt Kohlensäure gleich. Was manche als erfrischend empfinden, kann für andere unangenehm sein. Menschen mit empfindlichem Magen oder bestimmten Refluxbeschwerden können kohlensäurehaltige Getränke möglicherweise schlechter vertragen.

Ich bemerke, dass ich bisher vor allem die Bezeichnung und meine Geschmackserwartungen untersucht habe. Meine Aufmerksamkeit galt dem, was fehlt, und weniger dem, was die Beschreibung als vorhanden nennt.

Vielleicht ist für einen Menschen nicht entscheidend, dass NOU alkoholfrei ist. Vielleicht ist die Kohlensäure für ihn ein Grund, das Getränk nicht zu wählen.

Was bedeutet eine gute Alternative, wenn sie für meinen Körper keine gute Alternative ist?

Interpretation

Mein Körper hat einen anderen Maßstab.

Ich kann ein Getränk aufgrund seiner Zutaten, seiner Herstellung oder seiner Geschichte interessant finden. Ich kann es für hochwertig halten, weil die Beschreibung diese Erwartung setzt. Ich kann bestimmte geschmackliche Erwartungen damit verbinden. Doch mein Körper muss diese Bewertung nicht bestätigen.

Was ich als hochwertig wahrnehme, muss ich nicht automatisch gut vertragen. Was anderen schmeckt, muss für mich nicht angenehm sein. Und was als alkoholfreie Alternative angeboten wird, muss nicht für jeden Menschen eine passende Alternative darstellen.

Damit verändert sich meine Untersuchung erneut. Ich frage nicht mehr nur, wie Sprache meine Erwartungen beeinflusst oder wie Informationen meinen Geschmackseindruck vorbereiten. Ich frage auch, welchen Anteil meine körperlichen Erfahrungen und Bedürfnisse an meiner Entscheidung haben.

Wie entscheide ich, wenn meine Vorstellung und meine körperliche Erfahrung nicht übereinstimmen?

Geplantes Experiment

Ich verändere nicht das Getränk. Ich verändere die Information.

Die Frage, was ich schmecken werde, bleibt. Sie gilt nun auch dem Prickeln.

Für eine mögliche Untersuchung möchte ich dasselbe Getränk unter unterschiedlichen Bedingungen probieren lassen.

A — Ohne Information

Die Teilnehmenden erhalten das Getränk, ohne zuvor seinen Namen oder seine Beschreibung zu kennen.

Was nehmen sie wahr?

Welche Geschmacksbegriffe verwenden sie?

Woran erinnert sie das Getränk?

B — Mit Zutatenbeschreibung

Die Teilnehmenden erfahren vor der Verkostung, welche Zutaten enthalten sind.

Verändert dieses Wissen ihre Erwartungen?

Richten sie ihre Aufmerksamkeit auf andere Aromen?

C — Mit Einordnung

Die Teilnehmenden erhalten die Information, dass das Getränk als alkoholfreie Alternative angeboten wird.

Entsteht dadurch ein Vergleich mit Wein?

Welche Maßstäbe werden verwendet?

Zu den möglichen Beobachtungen gehören auch das Prickeln und das Mundgefühl. Ich möchte festhalten, ob ein Prickeln wahrgenommen wird und ob die jeweilige Information es mit einer vertrauten Vorstellung verbindet.

Das Prickeln im Moment des Probierens wäre eine unmittelbare sinnliche Wahrnehmung. Eine längerfristige körperliche Verträglichkeit ließe sich daraus nicht ableiten. Aus einem kurzen Geschmackstest folgt keine zuverlässige Aussage darüber, wie ein Mensch das Getränk allgemein verträgt.

Für einen aussagekräftigeren Vergleich können unterschiedliche Personen zufällig den drei Informationsbedingungen zugeordnet werden.

Die Eindrücke werden zunächst unabhängig voneinander dokumentiert.

Dieses Experiment ist bislang ein Vorschlag. Es wurde noch nicht durchgeführt.

Wie verändert Information, was Menschen zu schmecken erwarten und tatsächlich wahrnehmen?

Interpretation

Was bleibt offen?

Ich habe NOU bisher nicht selbst probiert.

Ich weiß nicht, wie die Zutaten tatsächlich zusammenwirken.

Ich weiß nicht, ob ich es als eigenständiges Getränk wahrnehmen werde oder weiterhin mit Wein vergleiche.

Auch weiß ich nicht, welche Vorstellungen andere Menschen damit verbinden.

Der Begriff „alkoholfrei“ kann für unterschiedliche Menschen ganz verschiedene Bedeutungen haben.

Er kann Verzicht bedeuten.

Er kann eine bewusste Entscheidung beschreiben.

Er kann aber auch schlicht eine sachliche Information sein.

Diese Unterschiede bleiben zu untersuchen.

Auch die Kohlensäure eröffnet neue Fragen. Das Prickeln kann Teil des Genusses sein, für manche Menschen aber auch unangenehm werden. Aus der Beschreibung kann ich nicht ableiten, wie ich oder andere das Getränk vertragen werden. Meine Untersuchung muss deshalb zwischen dem unterscheiden, was ich über das Produkt lese, was ich erwarte und was ich tatsächlich erfahre.

Geplantes Experiment

Wie untersuche ich weiter?

Ich möchte NOU probieren.

Ich möchte zunächst meine Erwartungen festhalten.

Anschließend möchte ich Geruch, Geschmack, Mundgefühl und meine spontanen Assoziationen dokumentieren.

Danach möchte ich meine Erfahrungen mit der Produktbeschreibung vergleichen.

Was habe ich erwartet?

Was habe ich tatsächlich wahrgenommen?

Welche Vorstellungen haben sich bestätigt?

Welche haben sich verändert?

Vielleicht wird daraus ein gemeinsames Geschmacksexperiment.

Die Audioarbeit FEHLT. NICHT. SCHMECKT. liegt vor. Die Verkostung steht noch aus.

Vielleicht führt die Untersuchung zu einer ganz anderen Frage.

Der Verlauf bleibt offen.

Noch nicht durchgeführt.

Perspektivverschiebung

DER KÖRPER TRINKT MIT.

Was die Sprache verspricht, muss der Körper nicht bestätigen.

Das Wort „Blubb“ des Herstellers hat meine Aufmerksamkeit auf die Kohlensäure gelenkt. Zunächst ist es ein sprachliches Bild. Es klingt nach Bewegung, Leichtigkeit und Erfrischung.

Doch was bedeutet diese Bewegung für meinen Körper?

Wie verträglich ist Kohlensäure? Wie nehme ich sie wahr? Und unterscheidet sich meine körperliche Erfahrung von der Vorstellung, die das Produkt bei mir erzeugt?

Damit verändert sich meine Untersuchung. Ich frage nicht mehr nur, wie ein Hersteller meine Wahrnehmung beeinflusst. Ich frage auch, welche Rolle mein Körper bei der Beurteilung eines Produkts spielt.

Was gibt meiner Entscheidung Richtung — das Versprechen, der Geschmack oder die körperliche Erfahrung?

Die Frage bleibt offen. Eine tatsächliche körperliche Wirkung habe ich damit noch nicht untersucht.

BLUBB

Ein Wort erzeugt Aufmerksamkeit.

KOHLENSÄURE

Eine sprachliche Assoziation führt zur Materialeigenschaft.

KÖRPER

Eine neue Frage nach der Verträglichkeit entsteht.

ENTSCHEIDUNG

Die ursprüngliche Bewertung des Getränks wird erneut überprüfbar.

WAS GIBT RICHTUNG?

Die neue Frage entstand nicht durch eine körperliche Beschwerde, sondern durch ein Wort des Herstellers.

Vielleicht liegt die eigentliche Verschiebung nicht in der Kohlensäure selbst, sondern in der Entdeckung, dass ich bisher vor allem das Produkt beurteilt habe, ohne meinen Körper als eigenständige Instanz der Beurteilung einzubeziehen.

Die Untersuchung führt damit vom untersuchten Produkt zum untersuchenden Körper.

WAS GIBT MEINER ENTSCHEIDUNG RICHTUNG — DAS VERSPRECHEN, DER GESCHMACK ODER DIE KÖRPERLICHE ERFAHRUNG?

Die Untersuchung bleibt offen.

Status der Untersuchung

Wo steht die Untersuchung heute?

Die sprachliche Untersuchung hat begonnen. Ausgangspunkt bleibt die Produktbeschreibung von NOU und die Bezeichnung „alkoholfrei“.

Die erste Perspektivverschiebung ist dokumentiert. Ich frage nicht mehr ausschließlich, ob ein alkoholfreies Getränk Wein ersetzen kann. Ich frage, warum ich diesen Vergleich überhaupt herstelle.

Die geschmackliche Untersuchung ist als Experiment vorbereitet. Drei Informationsbedingungen sind beschrieben. Durchgeführt wurde es nicht. Eine eigene Verkostung steht weiterhin aus.

Die körperliche Verträglichkeit ist als weitere Frage hinzugekommen. Sie geht von der Kohlensäure aus, die ich aus dem Wort „Blubb“ des Herstellers lese.

Die Audioarbeit FEHLT. NICHT. SCHMECKT. liegt vor. Sie untersucht die Sprache des Fehlens, die Erwartung und das gedankliche Vorwegnehmen einer Geschmackserfahrung. Sie ersetzt das Probieren nicht.

Hinzugekommen ist die Fortsetzung DER KÖRPER TRINKT MIT. Das Wort „Blubb“ hat die Frage vom Produkt zum Körper verschoben. Die gleichnamige Audioarbeit liegt vor. Eine eigene körperliche Erfahrung habe ich damit nicht untersucht.

Eine Frage

WER BESTIMMT, WAS FEHLT?

Vielleicht fehlt dem Getränk nichts. Vielleicht erwarte ich etwas, das es gar nicht leisten muss. Vielleicht ist für manche Menschen gerade der fehlende Alkohol entscheidend, während für andere die vorhandene Kohlensäure eine größere Bedeutung hat.

Was ich als gute Alternative betrachte, hängt nicht nur von einer Produktbeschreibung ab. Auch meine Vorstellungen, meine sinnlichen Erfahrungen und meine körperlichen Bedürfnisse können meinen Maßstab verändern.

Die Untersuchung bleibt offen.

ICH UNTERSUCHE.
UND ICH TEILE.

Steffen Rolla · Künstlerische Untersuchung · Offen

Die Untersuchung weiterführen

Was geschieht, wenn wir gemeinsam untersuchen?

Diese künstlerische Untersuchung kann Ausgangspunkt für einen WHAT DIRECTS? Denkraum oder eine gemeinsame experimentelle Erfahrung werden. Dabei untersuchen die Beteiligten, wie Erwartungen entstehen, Entscheidungen beeinflussen und durch neue Erfahrungen verändert werden können.

WHAT DIRECTS? Denkräume · Gemeinsame Untersuchungen · Künstlerische Kooperationen

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