0,0 IST KEINE UNSCHULD.
Was bleibt, wenn der Alkohol verschwindet?
Ein Glas Wein steht auf dem Tisch. Die Flasche trägt ein Etikett, nennt eine Herkunft und verspricht Genuss. Doch auf ihr steht 0,0.
Der Alkohol fehlt. Die vertraute Form bleibt. Was verändert sich tatsächlich, wenn wir einen Bestandteil entfernen, aber das Ritual beibehalten?
Eigenständige Audioarbeit
0,0 IST KEINE UNSCHULD.
1:12
Transkript
Kein Alkohol.
Und trotzdem:
Glas.
Etikett.
Herkunft.
Ritual.
Erwachsensein.
0,0 nimmt etwas weg.
Aber es lässt vieles stehen.
Die Geste bleibt.
Die Form bleibt.
Die Erwartung bleibt.
Ein Getränk wird leichter.
Aber wird auch die Bedeutung leichter?
Du hebst das Glas.
Es sieht aus wie Wein.
Es klingt wie Wein.
Es steht dort, wo Wein steht.
Nur eine Zahl sagt:
Hier fehlt etwas.
0,0.
Null Komma Null.
Das klingt nach Klarheit.
Nach Kontrolle.
Nach Entlastung.
Aber UN/INFORM fragt nicht:
Ist das gut oder schlecht?
Sondern:
Was trinkst du mit,
wenn du glaubst,
nur Alkohol wegzulassen?
Vielleicht trinkst du Herkunft mit.
Vielleicht ein Ritual.
Vielleicht eine Erinnerung.
Vielleicht ein Bild von Genuss,
das bleiben darf,
obwohl der Alkohol geht.
0,0 ist keine Unschuld.
Es ist eine neue Form
alter Gewohnheit.
0,0 nimmt etwas weg.
Aber es lässt vieles stehen.
0,0 IST KEINE UNSCHULD. · Audio-Setzung · UN/HEARD · 27.06.2026 · 1:12
Die Audioarbeit untersucht alkoholfreien Wein als Veränderung eines vertrauten Getränks. Alkohol wird entfernt, während Glas, Etikett, Herkunft und soziale Gewohnheiten bestehen bleiben können.
Doch ist das Fortbestehen eines Rituals bereits problematisch? Hier beginnt meine Untersuchung.
Hier beginnt die Untersuchung.
-
01
Was nehme ich wahr?
Ein alkoholfreier Wein kann dieselbe äußere Form besitzen wie sein alkoholhaltiges Gegenstück. Er wird in ähnlichen Gläsern angeboten, zu vergleichbaren Anlässen getrunken und mit vertrauten Vorstellungen von Genuss verbunden.
Die Veränderung liegt nicht nur im Getränk, sondern auch darin, wie wir es wahrnehmen. Was trinken wir außer dem, was sich chemisch im Glas befindet?
-
02
Was wirkt bereits?
Wein ist mit kulturellen Vorstellungen verbunden: Gastlichkeit, Feierlichkeit, Herkunft, Erwachsensein und Zugehörigkeit. Diese Bedeutungen verschwinden nicht automatisch, wenn der Alkohol fehlt.
Aber sie sind auch nicht für alle Menschen gleich. Was für eine Person Tradition bedeutet, kann für eine andere eine neue Möglichkeit sein, an einer gemeinsamen Situation teilzunehmen.
Wann übernehmen wir eine Gewohnheit, ohne ihre Bedeutung noch bewusst wahrzunehmen?
-
03
Ist 0,0 wirklich keine Unschuld?
Die Audioarbeit behauptet, 0,0 sei eine neue Form alter Gewohnheit. Doch das muss nicht bedeuten, dass die Veränderung bedeutungslos ist.
Ein alkoholfreies Getränk kann ermöglichen, an einem Ritual teilzunehmen, ohne Alkohol zu trinken. Es kann eine bewusste Entscheidung oder eine Alternative zu bisherigen Gewohnheiten sein.
Die vertraute Form muss nicht zwangsläufig die frühere Bedeutung bewahren.
Vielleicht verändert sich nicht nur der Inhalt des Glases, sondern auch das, was Menschen mit dem gemeinsamen Trinken verbinden.
-
04
Und was ist mit mir?
Warum fällt mir auf, was bei 0,0 erhalten bleibt, statt zuerst darauf zu schauen, was sich verändert?
Vielleicht erwarte ich von einer bewussten Entscheidung einen deutlichen Bruch mit der bisherigen Gewohnheit.
Aber warum sollte Veränderung immer sichtbar sein müssen? Kann ich ein Ritual beibehalten und dennoch meine Haltung dazu grundlegend verändern?
Auch meine Vorstellung davon, wie Veränderung aussehen sollte, gehört zur Untersuchung.
-
05
Was verändert sich?
Am Anfang stand die Behauptung: 0,0 ist keine Unschuld.
Inzwischen frage ich: Wie verändern sich Gewohnheiten, wenn ihre äußere Form bestehen bleibt, aber ihre Voraussetzungen neu entschieden werden?
Die Untersuchung verschiebt sich von der Kritik an einem vermeintlichen Ersatz zu den Möglichkeiten, vertraute Rituale anders zu gestalten.
Nicht jede Beibehaltung ist Stillstand. Nicht jede neue Form bedeutet einen wirklichen Wandel.
-
06
Wie untersuche ich weiter?
Ich möchte eine gemeinsame Getränkesituation beobachten: Welche Rolle spielen Glas, Flasche, Etikett, Geschmack und die Erwartungen der Beteiligten?
Verändert sich die Erfahrung, wenn dasselbe alkoholfreie Getränk unterschiedlich präsentiert wird? Welche Bedeutungen schreiben Menschen der jeweiligen Form zu?
Ein möglicher CMG Materialraum könnte Verpackung, Ritual, Wahrnehmung und Entscheidung untersuchen.
Möglicher Versuch – noch nicht durchgeführt.
-
07
Beziehungen
MAQLUBA. ES SCHMECKTE. ES ERSCHIEN NICHT. — Was geschieht, wenn ein Lebensmittel erhalten bleibt, sich aber sein kultureller Vollzug verändert?
MANDELMILCH — Wie beeinflussen vertraute Formen und neue Erzählungen unsere Wahrnehmung eines Produkts?
EVERYDAY — Welche Gewohnheiten übernehmen wir, ohne sie zu hinterfragen?
HEALTHY — Wie entstehen Vorstellungen von bewussten und gesünderen Entscheidungen?
UN/TASTE — Wie beeinflussen Rituale, Erwartungen und kulturelle Bedeutungen unseren Geschmack?
Untersuchungsverlauf
-
Ausgang ·
Künstlerischer Impuls
Bezug zum bisherigen Stand
Die Audioarbeit hinterfragt, welche kulturellen Bedeutungen beim alkoholfreien Wein erhalten bleiben.
-
Spätere Wiederaufnahme · Perspektivverschiebung ·
Redaktioneller Untersuchungsentwurf
Bezug zum bisherigen Stand
Die Frage verschiebt sich von der Behauptung einer fortbestehenden Gewohnheit zur Möglichkeit, vertraute Rituale bewusst zu verändern.
-
Spätere Wiederaufnahme · Neues Experiment
Mögliche Fortsetzung
Bezug zum bisherigen Stand
Unterschiedliche Präsentationen und gemeinsame Getränkesituationen untersuchen.
Wo steht die Untersuchung heute?
Ich habe mit einem Getränk begonnen, dem etwas fehlt: der Alkohol. Die äußere Form bleibt weitgehend vertraut.
Zunächst interessierte mich, welche alten Bedeutungen darin weiterwirken. Inzwischen frage ich, ob gerade das Beibehalten eines Rituals eine bewusste Veränderung ermöglichen kann.
Ein vertrautes Glas muss nicht dieselbe Entscheidung enthalten wie zuvor.
Vielleicht erkennen wir Veränderung nicht allein daran, was verschwindet, sondern daran, was wir mit dem Verbleibenden anders tun.
Die Untersuchung bleibt offen.
Was gibt unseren Gewohnheiten Richtung? Geschmack, Erinnerung, Zugehörigkeit, gesellschaftliche Erwartungen oder bewusste Entscheidungen?
Was verändern wir wirklich, wenn wir etwas ersetzen, aber seine Form behalten?
ICH UNTERSUCHE. UND ICH TEILE.
Steffen Rolla · Künstlerische Untersuchung · Offener redaktioneller Entwurf
Beziehungen — andere Situationen, verwandte Fragen
-
Gemeinsame Frage
MAQLUBA. ES SCHMECKTE. ES ERSCHIEN NICHT.
Was geschieht, wenn ein Lebensmittel erhalten bleibt, sich aber sein kultureller Vollzug verändert?
Was geschieht, wenn ein Lebensmittel erhalten bleibt, sich aber sein kultureller Vollzug verändert?
-
Gemeinsame Frage
MANDELMILCH. DAS GUTE GEWISSEN HAT DURST.
Wie beeinflussen vertraute Formen und neue Erzählungen unsere Wahrnehmung eines Produkts?
Wie beeinflussen vertraute Formen und neue Erzählungen unsere Wahrnehmung eines Produkts?