Für Orte und Institutionen
UN/TASTE
Schmeckt der Ort – oder seine Erzählung?
Geschmack entsteht nicht allein auf der Zunge.
Er wird geprägt durch Herkunft, Erinnerung, Erwartung, Sprache, Raum, Preis und die Erzählung eines Ortes.
UN/TASTE untersucht, was wir wahrnehmen, bevor ein Gericht bereits als regional, authentisch, traditionell oder besonders eingeordnet ist.
Im Mittelpunkt steht nicht die Bewertung eines Restaurants oder Produktes.
Lässt sich kulturelle Verwurzelung schmecken – oder erkennen wir vor allem ihre Inszenierung?
Was UN/TASTE untersucht
Ein Gericht erscheint nie für sich allein.
Es steht in einem Verhältnis zu Landschaft und Klima, Meer und Inland, Produkt und Produzent, handwerklichem Wissen, familiärer und regionaler Überlieferung, Sprache, Raum, Gastlichkeit, Preis und Erinnerung.
UN/TASTE betrachtet diese Ebenen nicht getrennt voneinander. Entscheidend ist die konkrete Situation des Aufenthalts.
- Landschaft und Klima
- Meer und Inland
- Produkt und Produzent
- handwerkliches Wissen
- Überlieferung und Veränderung
- Sprache und Benennung
- Raum und Gastlichkeit
- Preis und Wertzuschreibung
- Erinnerung und Erwartung
- touristische und mediale Erzählung
Was will ich an diesem Ort, zu dieser Tageszeit und mit diesen Menschen wahrnehmen – bevor eine Bewertung für mich entscheidet?
Keine Restaurantbewertung
UN/TASTE vergibt keine Sterne, Punkte oder Rangplätze.
Die Frage lautet nicht, wie gut ein Ort im Durchschnitt bewertet wird.
Untersucht wird, welche konkrete Form des Aufenthalts an einem Ort möglich wird und wie diese Situation die Wahrnehmung verändert.
Ein Restaurant, Hotel oder Produkt wird deshalb nicht als isoliertes Angebot betrachtet. Es erscheint innerhalb eines Verhältnisses von Ort, Herkunft, Menschen, Material, Zubereitung, Erzählung und Wahrnehmung.
Ein unbekannter Ort kann nicht vollständig vorab ausgewählt werden. Er muss zunächst betreten, erkundet und erfahren werden.
Nicht Wie gut ist dieser Ort im Durchschnitt?
Sondern Welche Form des Aufenthalts wird hier möglich – und wie verändert sie meine Wahrnehmung?
Arbeitsweise
UN/TASTE verbindet körperliche Erfahrung, Gespräch, Recherche und mediale Verdichtung.
Die Untersuchung beginnt mit dem Aufenthalt vor Ort. Gegessen, gehört, beobachtet und gesprochen wird innerhalb einer konkreten Situation – nicht aus der Distanz einer vorab feststehenden Bewertung.
- Aufenthalt und Wahrnehmung vor Ort
- Essen und unmittelbare körperliche Erfahrung
- Gespräche mit Köchinnen, Köchen und Gastgebern
- Begegnungen mit Produzentinnen und Produzenten
- Untersuchung von Speisekarten und Benennungen
- Recherche zu Produkten, Herkunft und regionalen Praktiken
- Audioaufzeichnungen
- Feldnotizen
- Fotografie
- Film
- nachträgliche Reflexion und Verdichtung
Dabei entsteht keine klassische Food-Fotografie.
Das Gericht wird nicht lediglich als schönes Objekt abgebildet. Sichtbar oder hörbar werden können ebenso Hände, Räume, Materialien, Wege, Geräusche, Leerstellen und Übergänge zwischen Herkunft und Erscheinung.
Fotografie, Film und Audio dienen nicht nur der Dokumentation. Sie übertragen die Untersuchung in eine eigenständige mediale Form.
Die Untersuchung beginnt vor dem Urteil
UN/TASTE arbeitet mit dem Operator UN/.
UN/ unterbricht die schnelle Gleichsetzung von Begriff und Wahrnehmung.
- regional = authentisch
- teuer = hochwertig
- traditionell = unverändert
- lokal = kulturell verwurzelt
- bekannt = charakteristisch
- schön inszeniert = wahr
Diese Begriffe werden nicht grundsätzlich abgelehnt.
Sie werden für einen Moment offengehalten.
Geschmack vor der Aufmerksamkeit bedeutet: wahrnehmen, bevor die Erzählung vollständig übernommen wurde.
Erste Untersuchung
UN/TASTE 01 – GIJÓN
Schmeckt der Ort – oder seine Erzählung?
Die erste Untersuchung führt nach Nordspanien.
Ausgangspunkt ist Gijón – eine Stadt am Meer, geprägt durch Fischerei, Industrie, asturische Kultur, Sidra, städtische Gegenwart und touristische Erwartung.
UN/TASTE 01 fragt nicht nach den besten Restaurants der Stadt.
Untersucht wird, wie das Meer auf dem Teller erscheint, welche Produkte als asturisch gelten, wie Tradition und Gegenwart miteinander verbunden werden und welche Rolle Sprache, Raum und Gastlichkeit für die Wahrnehmung spielen.
- Wie erscheint das Meer auf dem Teller?
- Was bleibt von der Arbeits- und Industriegeschichte des Ortes?
- Welche Produkte gelten als asturisch?
- Wer bestimmt ihre Herkunft?
- Wie werden Tradition und Gegenwart miteinander verbunden?
- Welche Rolle spielen Sprache, Raum und Gastlichkeit?
- Was schmeckt tatsächlich nach Ort?
- Was schmeckt nach der Vorstellung, die wir bereits mitbringen?
Die Untersuchung wird in weiteren Stationen zwischen Küste und Inland fortgesetzt.
Was daraus entsteht
UN/TASTE ist kein Reisebericht mit einem vorab festgelegten Endprodukt.
Die entstandenen Materialien können je nach Gegenstand in unterschiedliche öffentliche Formen übergehen.
- Text oder Essay
- Audioarbeit
- fotografische Serie
- Film
- Künstlerbuch
- UN/TASTE-Ausgabe
- Fine-Art-Print
- Ausstellung
- Installation
- Vortrag
- öffentliches Gespräch
- Workshop
- Archiv aus Stimmen, Bildern und Feldnotizen
Die Untersuchung bestimmt ihre Form – nicht umgekehrt.
Zusammenarbeit
UN/TASTE kann in Zusammenarbeit mit Orten, Institutionen und Betrieben entstehen.
Eine Kooperation beginnt nicht mit der Frage, wie ein Ort möglichst positiv dargestellt werden kann.
Sie beginnt mit einer konkreten Untersuchungsfrage.
Mögliche Partner
- Städte und Regionen
- Museen und Kulturinstitutionen
- Festivals
- Verlage
- Hotels und Restaurants
- Produzentinnen und Produzenten
- Hochschulen
- Archive
- Kultur- und Tourismusorganisationen
Mögliche Formen einer Zusammenarbeit
- künstlerische Ortsuntersuchung
- Untersuchung von Gastlichkeit und Aufenthalt
- Recherche zu einem Produkt oder Produzentennetzwerk
- regionale Audio- und Bildsammlung
- Ausstellung
- Publikation oder Edition
- Vortrag oder öffentliches Gespräch
- längerfristige Untersuchung mit mehreren Stationen
Kooperationen ermöglichen die Untersuchung. Sie bestimmen nicht ihr Ergebnis.
Einladungen, finanzierte Aufenthalte und Auftragskonstellationen werden transparent ausgewiesen.
Einen Ort nicht erklären. Ihn zunächst wahrnehmen.
UN/TASTE entwickelt Untersuchungen gemeinsam mit Regionen, Institutionen und Betrieben, die ihren Ort nicht nur darstellen, sondern neu befragen möchten.