CMG SHIFT · SATZ

DER PO WAR ZUERST EIN MUSKEL.

Werkdefinition

DER PO WAR ZUERST EIN MUSKEL. untersucht den Abstand zwischen der kulturellen Sichtbarkeit des Pos und seinem körperlichen Vollzug.

Weiterlesen Weiterlesen schließen

Der Po kann bereits als Form, Attraktivität, Fitnessbild oder Körperideal gelesen werden, bevor seine Funktion als Muskel wahrgenommen wird.

Die Arbeit setzt dieser ersten Lesart keine vermeintlich richtige zweite entgegen. Sie bringt etwas zurück, das im Bild leicht zurücktritt:

Muskel. Kraft. Bewegung. Stabilisierung. Vollzug.

Werkzentrum

DER PO WAR ZUERST EIN MUSKEL.

Das „zuerst“ beschreibt keine biologische oder historische Chronologie.

Es markiert eine Wahrnehmungsverschiebung.

Bevor der Po als Bild gelesen, bewertet, verglichen, trainiert oder begehrt wird, ist da auch ein Körperteil, das im Vollzug arbeitet.

Es richtet auf. Es stabilisiert. Es bewegt. Es überträgt Kraft. Die Setzung sagt deshalb nicht: Das Bild ist falsch. Sie fragt:

Was tritt zurück, wenn das Bild zuerst kommt?

Mehr zum Werk Mehr zum Werk schließen

WHAT DIRECTS?

Was lässt uns am Po zuerst Form, Attraktivität oder Körperbild sehen – und seine Funktion als Muskel zurücktreten?

Was hat unseren Blick bereits ausgerichtet, bevor der körperliche Vollzug überhaupt Aufmerksamkeit erhält?

Werktext

Wir sehen einen Po. Und häufig sehen wir nicht zuerst einen Muskel. Wir sehen Form, Größe, Straffheit, Alter, Training, Attraktivität. Vielleicht Begehren. Vielleicht Bewertung.

Das alles ist nicht falsch. Aber es ist bereits eine Richtung.

Der Körper hat währenddessen längst etwas getan. Er hat einen Menschen aufgerichtet. Stabilisiert. Beim Gehen bewegt. Beim Treppensteigen unterstützt. Kraft zwischen Beinen und Rumpf übertragen. Vielleicht einen Schritt abgefangen.

Davon sieht man wenig. Die Oberfläche ist sichtbar. Der Vollzug nicht unbedingt.

Genau darin liegt die Verschiebung:

DER PO WAR ZUERST EIN MUSKEL.

„Zuerst“ bedeutet nicht, dass danach etwas Falsches geschehen ist. Es bedeutet: Da war schon etwas, bevor unsere Bilder übernommen haben.

Die Arbeit will deshalb die ästhetische Wahrnehmung des Körpers nicht durch eine funktionale ersetzen. Nicht: Hör auf, den Po anzusehen. Nicht: Funktion ist wichtiger als Schönheit. Auch das wäre wieder eine Festlegung.

Die Arbeit fügt der ersten Wahrnehmung etwas hinzu. Du hast ihn gesehen. Aber:

WAS HAT ER GETAN?

Damit kann der Satz in einen körperlichen Vollzug wechseln. Ein Stuhl. Ein sitzender Körper. Eine einfache Aufforderung: Steh langsam auf. Noch nicht messen. Noch nicht bewerten. Noch nicht optimieren. Was hat dein Körper gerade getan?

Vielleicht wird etwas wahrgenommen. Vielleicht Kraft. Vielleicht Gewicht. Vielleicht das Knie. Vielleicht der Boden. Vielleicht der Po. Vielleicht nichts davon.

Die Arbeit legt die Antwort nicht fest. Sie unterbricht nur für einen Moment die Selbstverständlichkeit des Bildes.

Der Po bleibt sichtbar. Er kann schön sein. Trainiert. Alt. Jung. Begehrt. Unbeachtet. Aber sein Bild besitzt für einen Moment nicht mehr das Recht, das Ganze zu sein.

DER KÖRPER IST NOCH NICHT SEIN BILD.

Material / Details Material / Details schließen

Erscheinungsformen

  • Text

Werkdaten

Sprache
Deutsch
Werkgruppe
Satz
Künstlerisches Material
Sprache · Körper
Entstehungsweise
Autorische Setzung
Zusammenhänge Zusammenhänge schließen