WERKKOMPLEX

DER KÖRPER IST NOCH NICHT SEIN BILD.

Fortlaufend

Werkdefinition

DER KÖRPER IST NOCH NICHT SEIN BILD. ist eine fortlaufende künstlerische Untersuchung darüber, was bereits ausrichtet, wie ein Körper erscheint, gelesen und bewertet wird – und was dabei vom körperlichen Vollzug zurücktritt.

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Der Werkkomplex beginnt nicht mit der Annahme, dass Bilder, Bewertungen oder Vorstellungen vom Körper falsch seien. Er untersucht einen früheren Moment: Was ist bereits geschehen, wenn wir einen Körper sehen und scheinbar sofort wissen, was wir sehen?

Ein Körper erscheint selten voraussetzungslos. Alter, Geschlecht, Form, Gewicht, Attraktivität, Fitness, Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Kleidung, Haltung und gesellschaftliche Bilder können bereits Richtung geben.

Noch bevor der Körper etwas tut, kann seine Bedeutung schon begonnen haben.

Genau dort setzt die Arbeit an.

Werkzentrum

Ein Körper wird häufig als Bild gelesen, bevor sein Vollzug wahrgenommen wird.

Schön. Alt. Jung. Dick. Dünn. Trainiert. Untrainiert. Fit. Unfit. Das Sichtbare tritt hervor.

Was der Körper trägt, hält, stabilisiert, bewegt, ausgleicht oder abfängt, kann zurücktreten.

Die zentrale Setzung lautet:

Das Bild ist nicht falsch. Aber:

DAS BILD IST EINE RICHTUNG.
NICHT DER GANZE KÖRPER.

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WHAT DIRECTS?

Was richtet bereits aus, was wir sehen, wenn wir einen Körper sehen?

Was tritt hervor?

Was tritt zurück?

Was wird sichtbar, weil wir gelernt haben, darauf zu achten?

Und was bleibt unbeachtet, obwohl es körperlich längst geschieht?

Alter, Gewicht, Form, Fitness, Attraktivität, Gesundheit, Normen, Erfahrungen, Bilder, Vergleiche, medizinische Begriffe und gesellschaftliche Erwartungen können bereits bestimmen, was als bedeutsam erscheint.

Die Arbeit fragt deshalb nicht zuerst:

Ist diese Sichtweise richtig oder falsch?

Sondern:

Was lässt sie hervortreten?

Was tritt dadurch zurück?

Und welche Bedeutung wird dadurch bereits wahrscheinlich?

Werktext

Wir sehen Körper ständig.

Auf Straßen.

Auf Bildschirmen.

In Werbung.

Im Sport.

In sozialen Medien.

Im Spiegel.

Aber einen Körper zu sehen bedeutet noch nicht, ihm voraussetzungslos zu begegnen.

Noch bevor wir bewusst über ihn nachdenken, kann bereits etwas geschehen sein.

Jung.

Alt.

Fit.

Unfit.

Dick.

Dünn.

Trainiert.

Untrainiert.

Attraktiv.

Unattraktiv.

Das Urteil muss noch nicht einmal ausgesprochen werden.

Die Richtung kann schon da sein.

WHAT DIRECTS?

Was richtet unseren Blick bereits aus?

Vielleicht liegt eine der stärksten Richtungen in etwas sehr Einfachem:

Der Körper ist sichtbar.

Seine Arbeit häufig nicht.

Wir sehen eine Form.

Aber wir sehen nicht unmittelbar, was sie gerade trägt.

Wir sehen Beine.

Nicht ihre Kraftreserve.

Wir sehen einen Rücken.

Nicht seine fortlaufende Stabilisierung.

Wir sehen einen Po.

Und sehen vielleicht alles Mögliche.

Nur nicht zuerst:

einen Muskel.

Dabei steht ein Mensch auf.

Geht.

Läuft.

Steigt eine Treppe hinauf.

Fängt eine Bewegung ab.

Hält das Becken stabil.

Überträgt Kraft.

All das geschieht.

Aber vieles davon muss nicht sichtbar werden.

Solange der Körper funktioniert, kann sein Vollzug hinter seinem Bild verschwinden.

Erst wenn etwas schwieriger wird, verändert sich die Wahrnehmung.

Aus dem Stuhl wird eine Aufgabe.

Aus der Treppe eine Belastung.

Aus dem Stolpern ein Risiko.

Plötzlich wird sichtbar, was vorher selbstverständlich geschah.

Vielleicht ist deshalb die entscheidende Unterscheidung nicht:

Bild oder Körper.

Sondern:

Was lässt das eine hervortreten und das andere zurücktreten?

WHAT DIRECTS? richtet sich deshalb auch hier nicht gegen das Bild.

Das Bild ist nicht falsch.

Schönheit ist nicht falsch.

Attraktivität ist nicht falsch.

Körperästhetik ist nicht falsch.

Aber sie sind Richtungen.

Und eine Richtung kann so selbstverständlich werden, dass sie wie der Gegenstand selbst erscheint.

Wir sehen dann nicht mehr:

einen Körper, den wir als attraktiv lesen.

Wir sehen:

einen attraktiven Körper.

Die Interpretation ist in den Gegenstand gerutscht.

Genau hier setzt die Arbeit an.

Nicht um die erste Lesart durch eine vermeintlich richtige zweite zu ersetzen.

Nicht:

Vergiss Schönheit. Funktion ist wichtiger.

Auch das wäre nur eine neue Festlegung.

Sondern:

WAS TRITT ZURÜCK,
DAS BILD ZUERST KOMMT?

Der körperliche Vollzug kann dieser ersten Richtung Widerstand entgegensetzen.

Nicht als Wahrheit.

Sondern als zusätzliche Wirklichkeit.

Ein Körper kann anders aussehen, als seine Kraft vermuten lässt.

Ein alter Körper kann etwas können, das ihm nicht angesehen wird.

Ein trainiert erscheinender Körper kann funktionell etwas anderes zeigen.

Ein Körper kann einer Kategorie widersprechen, die sein Bild bereits nahegelegt hat.

Der Vollzug öffnet damit wieder, was das Bild schnell geschlossen hat.

Und plötzlich wird aus einer scheinbar banalen Feststellung eine Unterbrechung:

DER PO WAR ZUERST EIN MUSKEL.

Der Satz will nicht behaupten, dass der Po heute kein Muskel mehr sei.

Das „zuerst“ ist keine biologische Chronologie.

Es ist eine Wahrnehmungsverschiebung.

Bevor der Po zum kulturellen Bild wird,

bevor er attraktiv oder unattraktiv erscheint,

bevor er optimiert, fotografiert, bewertet oder verglichen wird,

ist da auch:

Muskel.

Kraft.

Bewegung.

Stabilisierung.

Vollzug.

Der Satz nimmt dem Bild nichts weg.

Er stellt etwas daneben, das bereits da war.

Und vielleicht ist genau das die kleine Gymnastik:

Nicht das erste Bild zerstören.

Nicht die erste Bedeutung verbieten.

Sondern wahrnehmen können:

ES WAR NOCH ETWAS ANDERES DA.

Der Körper ist noch nicht sein Bild.

Und sein Bild muss deshalb auch nicht verschwinden.

Es verliert lediglich für einen Moment das Recht, das Ganze zu sein.

Werke im Komplex

Die Arbeiten dieses Werkkomplexes entstehen fortlaufend.